Preise

Schluck! Und wie teuer wird’s morgen?


Die „gefühlte Inflation“ verunsichert die Deutschen

Frankfurt. Die neue Unruhe an der Preisfront: Erst sorgt der „Milch-Streik“ der Bauern für einen spektakulären Aufschlag von 10 Cent pro Liter, dann heißt es plötzlich „Milch wieder billiger! Handel startet Preiskampf“. Schon tags darauf geht es wieder um 3 Cent runter – und Experten geben bereits die Komplett-Entwarnung. „Ich rechne nicht mit langfristig höheren Milchpreisen“, urteilt etwa Roland Döhrn, der Konjunkturchef des Essener Wirtschaftsforschungsinstituts RWI.

Übertriebene Sorge um die Kaufkraft

Genau in diesem Zickzack liegt ein Problem: „Der Mensch neigt dazu, Preissteigerungen stärker wahrzunehmen als Preissenkungen“, hat der Schweizer Statistik-Professor Hans Wolfgang Brachinger herausgefunden. Dabei sei der Blick vor allem auf Güter gerichtet, „die wir besonders häufig kaufen, zum Beispiel Benzin oder Lebensmittel“.

Nach diesem Muster ermittelt Brachinger einen „Index der wahrgenommenen Inflation“: Aus den diversen Einzeldaten für Deutschland, Tag für Tag zusammengetragen von 560 „Preisermittlern“ der Statistischen Landesämter, rechnet er Abwärtsbewegungen heraus und auch die (relativ stabilen) Preise eher selten gekaufter Güter. Sein Ergebnis ist derzeit happig: Die „gefühlten“ Lebenshaltungskosten sind 12 Prozent höher als vor einem Jahr (siehe Grafik).

Keine Frage: Auch die echte Inflationsrate ist mit 3 Prozent nicht mehr ganz harmlos. Aber sie liegt noch deutlich niedriger als die Lohnentwicklung etwa in der Metall- oder Chemie-Industrie.

Die Europäische Zentralbank (EZB) fürchtet jetzt, dass Inflations-Hysterie zu überzogenen Tarifforderungen führt, die Betriebe sich letztlich beim  Verbraucher schadlos halten – und so die gefürchtete „Lohn-Preis-Spirale“ in Gang kommt. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet formuliert das so: Er werde die „Verankerung der Inflationserwartungen sicherstellen“.

Womöglich erhöht er am 3. Juli den Leitzins. Das gilt als wirksamer Schutz gegen Inflation. Dämpft aber das Wachstum und den Schwung am Arbeitsmarkt.

Wie reagieren Sie auf die Preisentwicklung?

Schreiben Sie uns!

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang