Schlau wie Daniel Düsentrieb


Das Tüftelfieber hat Mitarbeiter vieler Betriebe gepackt

Oelde/Frankfurt. Maschinenschlosser Werner Großeheilmann und seine beiden Kollegen hatten ein Problem: Eine Dichtung, die sie in Maschinen für die Pharmaindustrie einbauten, war oft undicht. „Wenn wir sie wieder ausbauten“, seufzt Großeheilmann, „war das 500-Euro-Teil ganz kaputt.“

Doch sie fanden eine Lösung, sparten ihrem Betrieb 6.000 Euro,  und freuten sich über ihre Prämie.

Die Drei der GEA Westfalia Separator  Group in Oelde (Nordrhein-Westfalen) sind nicht die einzigen Kreativen in ihrem Konzern. Von den mehr als 20.000 Mitarbeitern aller Standorte sind im vergangenen Jahr 17935 Ideen eingegangen. In der Summe sparten sie der GEA Group, einem Maschinen- und Anlagenbaukonzern, 13 Millionen Euro.

7,8 Millionen Euro im Schnitt gespart

In der Metall- und Elektro-Industrie herrscht Tüftelfieber. Der Grundgedanke des Ideenmanagements: Wer Vorschläge einreicht, die umgesetzt werden, erhält einen Anteil vom Nutzen. Was das bringt, ermittelt das Deutsche Institut für Betriebswirtschaft aus Frankfurt jedes Jahr. 2010 haben die befragten Firmen im Schnitt je 7,8 Millionen Euro gespart.

Besonders kreativ sind die Beschäftigten der Metall- und Elektro-Industrie (siehe Grafik). Die Lösung des Maschinenbau-Trios aus Oelde für das Dichtungsproblem sah so aus: „Wir haben eine Abzieh-Vorrichtung für die Dichtung gebaut“, erklärt Großeheilmann. „Damit konnten wir die Dichtungen wieder demontieren, ohne sie unbrauchbar zu machen.“ Und so gelang es ihrem Hersteller, den Fehler zu finden. Der Maschinenschlosser hat in den letzten vier Jahren 39 Vorschläge eingereicht.

Leidenschaftliche Tüftler wie ihn gibt es zum Beispiel auch bei Bosch in Ansbach (Bayern): Hans Peter Kaiser, Elektrotechniker, dort als „Daniel Düsentrieb“ bekannt, hat seit Jahresanfang schon 20 Ideen eingereicht. Oder beim Technologiekonzern ABB Deutschland (Hauptsitz Mannheim): Ullrich Ruth aus der Fertigungssteuerung in Minden hat 120.000 Euro gespart, bekam den „goldenen Ideen-Oskar“ von ABB. Sein Vorschlag: spezielle Kabelkanäle nicht mehr zusammenzuschweißen, sondern auf komplette Kaufteile umzusteigen.

69 Prozent aller Ideen werden umgesetzt

Viele Einfälle klingen naheliegend, trotzdem muss einer drauf kommen. Um die Mitarbeiter zu ermuntern, veranstalten die Unternehmen richtige Werbeaktionen. Dr. Nina Remmer, Leiterin des Ideenmanagements der GEA Group, organisiert mit ihren Kollegen regelmäßig Kampagnen – teils zu vorgegebenen Themen. Außerdem legt sie Wert darauf, dass jeder Ideen-Einreicher schnell eine Rückmeldung bekommt. Remmer:  „In den letzten vier Jahren hatten wir eine stetig wachsende Ideenquote, selbst während der Wirtschaftskrise.“

Und was kommt für die Mitarbeiter rum? Üblich sind bis zu 30 Prozent des Nettonutzens, den die Idee im ersten Jahr bringt. Im Durchschnitt werden 69 Prozent aller Ideen umgesetzt, in der metallverarbeitenden Industrie sind es 79 und bei den Automobil-Zulieferern sogar 86 Prozent.

Großeheilmann und sein Team in Oelde haben schon die nächsten Ideen im Kopf – „nur ausformulieren müssen wir sie noch“.

 

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