Bargeld unter Druck

Scheine und Münzen werden infrage gestellt – die Fakten zum Mitreden

Foto: Roth

Frankfurt/Köln. Viel Wirbel ums liebe Geld: Die Europäische Zentralbank verfolgt das Ziel, den 500-Euro-Schein abzuschaffen. Und die EU-Finanzminister fordern eine gesetzliche Obergrenze für Barzahlungen von 5.000 Euro. Einzelhändler im niederrheinischen Kleve wollen ohne Ein- und Zwei-Cent-Münzen auskommen. Und Mobilfunkfirmen treiben das kontaktlose Bezahlen mit dem Smartphone voran.

Sind die Tage des Bargelds gezählt? Wenn man Mobilfunk-Managern wie Hannes Ametsreiter glaubt, schon. „Das Bezahlen mit dem Handy wird sich durchsetzen“, ist sich der Chef von Vodafone Deutschland sicher.

Bei vielen Bundesbürgern dagegen ist die Aufregung groß, auch wenn Politiker und Notenbanker nicht ihnen, sondern Kriminellen und Terroristen das Leben schwerer machen wollen.

Klar ist jedenfalls: Es geht auch ohne große Scheine. Das zeigt sich in den USA. Dort ist der 100-Dollar-Schein der Größte – der 500er ist längst abgeschafft.

Obergrenzen für Barzahlung haben zwölf EU-Staaten. Sie liegen zwischen 1.000 Euro (Frankreich) und 3.000 Euro (etwa Belgien, Italien).

Nach wie vor zahlen die Deutschen 80 Prozent der Einkäufe bar. Gut die Hälfte ihrer Umsätze machen Supermärkte, Kaufhäuser oder Tankstellen so. Vor allem, wenn die Summen unter 25 Euro liegen.

Bar zahlen geht am schnellsten. In 15 bis 24 Sekunden ist die Rechnung beglichen, haben Forscher des Kölner Einzelhandelsinstituts EHI ermittelt.

EC- und Kreditkarten holen auf. Ihr Umsatz im Einzelhandel hat sich in den letzten 20 Jahren auf 170 Milliarden Euro verachtfacht.

Trotzdem gab es noch nie so viel Euro-Bargeld wie heute: 135 Milliarden Scheine und Münzen. Seit 2002 hat sich ihr Betrag auf 1,1 Billionen Euro verfünffacht.

Dann ist da noch das Grundgesetz. Es garantiert uns die sogenannte informationelle Selbstbestimmung – und damit das Recht, bar zu zahlen. Auch wenn es eines Tages keine 500er-Scheine und Cent-Münzen mehr gibt.


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„Der Laden um die Ecke ist kein Auslaufmodell“, sagt Handelsexpertin Stephanie Rumpff. Voraussetzung: Man nutzt soziale Netzwerke wie Instagram oder Facebook und setzt im Geschäft auf informierte Verkäufer.

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