Forschung

Scharfe Blicke in die Mini-Welt


Einblick: Professor Joachim Koetz und seine Mitarbei­terin Brigtte Tiersch am Bildschirm des Elektronen-Mikroskops. Fotos: Rempe, Uni Potsdam

Vielversprechende Forschung in Brandenburgs Hauptstadt

Potsdam. Der Unterschied zwischen den Gold-Partikeln, die Professor Joachim Koetz  auf dem Bildschirm des Elektronen-Mikroskops sieht, ist winzig: wenige Nanometer. „Doch wir wollen wirklich ex­akt gleich Großes und gleich Geformtes herstellen.“

Der Chemiker von der Uni Potsdam und seine Mitarbeiter nutzen dafür ein Verfahren aus der Natur: die Biomineralisation. Damit bauen etwa Muscheln ihre Schale auf – die Teilchen entstehen in einer organischen Form, der „Prägematrix“.

Die Potsdamer Chemiker imitieren das mit einer künstlichen Matrix: aus den Wassertröpfchen einer Öl-Tensid-Wasser-Mischung. In diesen „Nano­reaktoren“ entstehen bei Zugabe diverser Reagenzien die wenige Nanometer kleinen Teilchen. Sie werden nun perfektioniert.

1,7 Millionen Euro für Super-Mikroskop

Was ist das Wissen über die Bildung solch Teilchen wert? „Mögliche Anwendungen gibt es viele“, sagt Koetz. „So lassen sich noch kleinere und leistungsfähigere Strukturen für die Elektronik herstellen. Oder Mini-Transporter für die Medizin, die via Blutbahn den Wirkstoff gezielt zum Ort des Geschehens bringen.“ Beispielsweise können Nanoteilchen aus Magnetit an einer Tumor-Oberfläche absorbieren und durch lokale Wärme-Entwicklung das Krebsgeschwür zerstören.

Insgesamt elf Professuren steigen am Potsdamer Institut für Chemie, jeweils auf ihrem Gebiet, tief hinab in die Welt der winzigen Teilchen. Man kooperiert mit Unternehmen und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen.

Noch schärfere Einblicke verspricht die nahe Zukunft: Das Institut bekommt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Land Brandenburg gerade ein hochmodernes, 1,7 Millionen Euro teures hochauflösendes Transmissions-Elektronen-Mikroskop.

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