Regierungspläne

Schärfere Regeln für die Zeitarbeit bedrohen wichtiges Stück Flexibilität

Berlin/Köln. Die Regierung will der Zeitarbeit Zügel anlegen. So steht es im Koalitionsvertrag. Im Herbst sollen die Regeln für das Ausleihen von Arbeitskräften verschärft werden.

Aktuell gibt es rund 740.000 Zeitarbeiter im Lande – 50.000 weniger als noch 2011. „Zeitarbeit ist beileibe kein Massenphänomen“, erklärt Holger Schäfer, Arbeitsmarkt-Experte am Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). „Der Anteil der Zeitarbeitnehmer liegt seit Jahren bei etwa 2 bis 2,5 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Übrigens sind diese Kräfte in der Regel unbefristet beim Zeitarbeitsunternehmen angestellt.“

Diese kleine Gruppe ist allerdings sehr wichtig für unsere Industrie: Über Zeitarbeit können Unternehmen Auftragsschwankungen besser abfangen. Dass das nun erschwert werden soll, macht den Betrieben Sorge.

Konkret ist geplant, die von der rot-grünen Bundesregierung 2003 abgeschaffte „Höchstüberlassungsdauer“ wieder einzuführen. Das ist die Zeitspanne, für die ein einzelner Mitarbeiter einer Zeitarbeitsfirma höchstens in einem bestimmten Unternehmen zum Einsatz kommen darf. Nach 18 Monaten soll künftig Schluss sein. Außerdem sollen Zeitarbeiter, die länger als neun Monate im gleichen Betrieb arbeiten, so viel verdienen wie die Stammbelegschaft.

„Das Ganze ist schlichtweg unnötig“, schimpft Schäfer. Arbeitgeber und Gewerkschaften hätten die bessere Bezahlung längst in etliche Tarifverträge eingebaut: In einem Dutzend Branchen, darunter die Metall- und Elektro-Industrie sowie die Chemische Industrie, gibt es je nach der Einsatzdauer stufenweise Zuschläge zum Entgelt nach dem Zeitarbeitstarifvertrag. Zwar bleiben Unterschiede in der Entlohnung zwischen Zeitarbeitnehmern und Stammbelegschaft. „Das ist aber auch fair“, so Schäfer, „schließlich hat der Kollege aus der Stammbelegschaft langjährige Erfahrung, kennt die Betriebsabläufe besser und ist deshalb produktiver.“

Auch die Begrenzung auf 18 Monate hält der Wissenschaftler für unsinnig: „Überlassungen von hochqualifizierten Teams für fest definierte Projekte nehmen an Bedeutung zu“, sagt er, „da geht es zum Beispiel um Bau- oder IT-Ingenieure – und deren Projekte dauern oft länger als eineinhalb Jahre.“

In diesem Punkt wird Berlin vielleicht sowieso von Brüssel ausgebremst. Eine gesetzliche Höchstüberlassungsdauer verstößt aus Sicht des Marktführers Randstad gegen eine EU-Richtlinie – das Unternehmen würde dagegen klagen, wie Randstad-Chef Jacques van den Broek vor kurzem angekündigt hat: „Uns vorzuschreiben, wie lange wir Mitarbeiter an einem Arbeitsplatz beschäftigen dürfen, ist ein Eingriff in unsere Vertragsfreiheit.“ Randstad hat in Deutschland rund 60.000 Beschäftigte.


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