Billigflieger mit neuer Strategie

Ryanair und Co.: mehr Service und größere Städte im Angebot

Köln/Frankfurt. Mit dem Billigflieger von Köln nach Dublin oder von München nach Palma de Mallorca? Die Zeiten, in denen Passagiere nur von Provinzflughäfen wie Weeze oder Hahn supergünstig reisen konnten, sind vorbei. Denn die Billig-Airlines siedeln sich zunehmend an Großflughäfen der Metropolen an.

„Die Low-Cost-Unternehmen stoßen in der Provinz allmählich an ihre Wachstumsgrenzen“, erklärt Eric Heymann, Luftverkehrsexperte von Deutsche Bank Research. Deshalb müssen Ryanair und Co. Kunden ansprechen, die bisher nicht mit ihnen geflogen sind. So nistet sich die irische Fluggesellschaft mit einer festen Basis am Kölner Flughafen ein und fliegt ab dem nächsten Winterflugplan mehrmals pro Woche nach Dublin, London-Stansted, Madrid, Riga und Rom.

Fluggäste können sich freuen – und sparen

Auch immer mehr Billigheimer aus anderen europäischen Ländern drängen auf den deutschen Markt. Seit Herbst 2013 fliegt Norwegian von Köln aus vor allem Ziele in Skandinavien und Spanien an. Die ungarische Wizzair hebt aus vielen deutschen Städten ab. Und mit der spanischen Gesellschaft Vueling können Urlauber jetzt direkt nach Ibiza, Palma de Mallorca und Rom düsen.

Der Wettbewerb zwischen etablierten Airlines und der Billigkonkurrenz verschärft sich – zum Vorteil der Kunden. „Die Geschäftsmodelle der Gesellschaften gleichen sich immer weiter an“, sagt Branchen-Analyst Heymann. So plant Lufthansa neben ihrer Tochter Germanwings eine zweite Billiglinie. Und Low-Cost-Pionier Ryanair setzt auf Service, mit flexiblen Tickets, Sitzplatzreservierungen, Sonderkonditionen für Gruppen, Familien und Geschäftsreisende.

„Reisende können sich freuen. Die Ticketpreise bleiben weiter unter Druck“, so Heymann. Die Lufthansa kippte sogar die Gewinnziele für dieses und nächstes Jahr.

Für die Regionalflughäfen allerdings ist dieser Kulturwandel ein Problem. Denn viele sind abhängig von den Billigheimern wie zum Beispiel der defizitäre Flughafen Hahn in Rheinland-Pfalz. Und der insolvente Lübecker Flughafen musste mit der Abkehr von Ryanair einen weiteren Schlag hinnehmen.

Dazu kommt, dass die EU-Kommission im Februar eine neue Richtlinie verabschiedet hat. Nach dieser sollen Regionalflughäfen weniger Geld vom Steuerzahler bekommen. Beihilfen sind nur noch in den nächsten zehn Jahren erlaubt.

Was dann passieren wird, ist zwar jetzt noch nicht absehbar. „Ich kann mir aber gut vorstellen, dass die Eigentümer von einigen defizitären Airports, also zumeist die Kommunen, mit Verweis auf die EU-Regelung eine Schließung politisch angehen“, so Heymann. „Denn dann hätte man in der EU ja einen Schuldigen gefunden.“


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