Leitartikel

Rückschlag für das Unternehmertum

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe

Wenn es um den Unternehmer geht, streitet das Land ja gern über Prozente. Wieviel Prozent des Durchschnittslohns soll er verdienen? Welchen Steuersatz zahlen? Wieviel Zeitarbeiter und befristete Verträge lässt man ihm durchgehen? Und was wäre wohl bei Ökostrom, neuen Produkten, weiblichen Führungskräften die angemessene Quote?

Jetzt gibt es über diesen Berufsstand, der mit 56 Prozent ein Drittel weniger Ansehen genießt als der Müllmann, eine neue Zahl. Sie wäre die Debatte wert, nicht nur am Stammtisch. Um 15 Prozent ist letztes Jahr die Zahl derer zurückgegangen, die sich trauen, in Deutschland ein Unternehmen zu gründen.

15 Prozent – das sind keine Peanuts! Das von Argwohn und Neid geprägte Umfeld zeigt offensichtlich Wirkung. Zwar ist der Rückgang ein Stück weit konjunkturbedingt, weil der Arbeitsmarkt gute Alternativen zum Sich-Selbstständig-Machen bietet. Doch man kann das auch umdrehen: Weil es viel mehr Jobs gibt als vor ein paar Jahren, führen wir Luxusdiskussionen. Und schätzen die unternehmerische Leistung gering: ins Risiko gehen, um etwas aufzubauen.

311.000 neuen Existenzen (ohne freie Berufe wie Ärzte, Künstler oder Anwälte) standen letztes Jahr 342.000 Abmeldungen gegenüber. Der Anfang ist mühsam, oft im Alleingang – der durchschnittliche Solo-Selbstständige verdient 13 Euro pro Stunde. Nur ganz wenige kommen richtig hoch, in die Liga der Firma Volkswagen, die seit 2007 bundesweit 30.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen hat.

Wenn so etwas keine Bewunderung auslöst, sondern im öffentlichen Gezänk untergeht, sollte man über das Ergebnis nicht erstaunt sein.


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