Standpunkt

Rohstoff-Toto

Bei allem Ärger über teuren Sprit: Es gibt keinen Grund für dumpfe Vorurteile

Von einem Rohstoff-Spekulanten erzählt schon die Bibel. Josef, von seinen Brüdern nach Ägypten verkauft, sieht als Traumdeuter des Pharao sieben magere Jahre nach sieben fetten voraus. Sieben Jahre lang entzieht er einen Teil der Ernte dem Verbrauch (was die Preise treibt) – dann bringt er sieben magere Jahre lang die gehorteten Vorräte auf den Markt. Die Dürre ist aufgefangen, Hunger abgewendet.

Das ist die Grundstufe von Spekulation: Güter werden für höherpreisige Zeiten zurückgehalten. Gemeinhin geschieht das zwecks Gewinn, die Vorsorge ist „nur“ Nebenfolge. Die zu Markte gebrachte Gütermenge wird zunächst verknappt. Nur auf diesem Josefsweg kann Spekulation die Marktpreise treiben!

Ein Spekulant ist einer, der glaubt, künftige Preise besser abschätzen zu können als andere, und der daraus Gewinn ziehen will. Er bietet dem Bauern, der im Frühjahr den Marktwert seiner Herbst-Ernte noch nicht kennen kann, einen Festpreis „auf Termin“ –  was dem Bauern einen Großteil der Unsicherheit nimmt: Er muss nur noch hoffen, dass die Ernte auch mengenmäßig ordentlich ausfällt.

Natürlich zahlt der Spekulant nicht ganz den Preis, zu dem er später zu verkaufen „spekuliert“. Liegt er am Ende richtig, tut dem Bauern das Geschäft leid – und so fängt die Stimmungsmache gegen Spekulanten an. Zu Unrecht. Denn auf die Preisentwicklung selbst hat diese Form der Spekulation, da nicht mehr wie bei Josef Ware zurückgehalten wird, null Einfluss.

Und damit zu den Weltrohstoffmärkten, vor allem zum Erdöl (aber zum Beispiel auch zum Weizen). Primär geht es hier um Preis-Sicherheit vor allem für Abnehmer: Sie können „auf Termin“ zu vorab fixierten Preisen kaufen.

Als „Zwischenkunde“ können hier im Terminvorfeld auch Spekulanten auftreten: Sie wollen nicht wie Endkunden am Stichtag Öl besitzen, sondern ihrerseits auf die Preisentwicklung wetten. In diesem Fall bleiben Spekulanten unter sich: Wer sein Papier-Öl im günstigsten Moment abstößt, macht den Schnitt.

Das Öl kommt trotzdem zügig  zum Endabnehmer, nur eben über Wettspekulanten. Auch hier wird keine Ware zurückgehalten: Wirtschaftlich stiftet das Rohstoff-Toto keinen Schaden.

Die Nazis haben ein „Weltjudentum“ als Drahtzieher wirtschaftlicher Fehlentwicklungen begeifert. Die Hetze gegen Spekulanten als Ölpreis-Schurken ist unblutig, spekuliert aber ebenfalls auf Sündenbock-Appetit: auf den der Medien-Verbraucher.


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Schlagwörter: Politik Rohstoffe

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