Vereinigte Staaten: Wirtschaft wächst schneller als bei uns

Robuste US-Konjunktur stabilisiert die Weltwirtschaft

Kiel. Die Weltwirtschaft verliert an Schwung. Institutionen wie der Internationale Währungsfonds oder die Industriestaaten-Denkfabrik OECD haben ihre Prognosen fürs globale Wachstum nach unten korrigiert. Denn wichtige Schwellenländer schwächeln, allen voran China. Umso beruhigender, dass die globale Nummer eins nach wie vor stark unterwegs ist: die USA.

Schlaglichtartig beleuchtet das gerade der jüngste „International Business Report“, für den die britische Beratungsfirma Grant Thornton regelmäßig Manager in wichtigen Ländern befragt. Demnach wird die Laune in den US-Chefetagen immer besser – der Optimismus für die heimische Konjunktur steht dort jetzt bei 74 von 100 möglichen Punkten. Zum Vergleich: Der deutsche Wert ist auf 46 abgeschmiert, die Zuversicht bei Chinas Bossen sank gar auf 26.

„Die Erholung in den Vereinigten Staaten hat sich verstetigt“, bestätigt Philipp Hauber, Forscher am Institut für Weltwirtschaft in Kiel. „Die robuste Konjunktur der USA gibt für die ganze Welt wichtige Wachstumsimpulse.“ Und laut Kieler Prognose dürfte dieser Kick für die globale Wirtschaft „in den nächsten Jahren sogar noch zunehmen“.

Seit der großen Finanz- und Wirtschaftskrise haben sich die Amis nämlich ganz ordentlich berappelt. Geholfen haben extrem niedrige Zinsen, günstiges Öl und Gas – Stichwort „Fracking“ – und nicht zuletzt eine neue politische Wertschätzung der Industrie.

„Die Arbeitslosenquote in den USA ist zwar noch nicht ganz so niedrig wie bei uns“, sagt Hauber, „sie hat sich aber seit dem Höchststand Ende 2009 annähernd halbiert.“ Mehr Leute in Lohn und Brot, und das bei extrem stabilen Preisen: Das wirkt dort besonders stark. „Denn der private Konsum spielt in den Vereinigten Staaten schon immer eine viel größere Rolle“, erklärt der Ökonom. „In Deutschland steuert er gut 55 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, in den Vereinigten Staaten aber knapp 70 Prozent.“

Zur Kauflaune der Amis hat auch der Kursanstieg des Dollar beigetragen, der ausländische Waren verbilligte. Andererseits macht die stärkere eigene Währung US-Exporte teurer. Und der Dollar könnte bald noch gefragter sein – wenn jenseits des Teichs die Zinsen steigen.

„Die Spuren der Finanzkrise in den US-Bilanzen verblassen zunehmend“, betont Hauber, „die Niedrigzinspolitik der Zentralbank Federal Reserve ist nicht mehr angemessen: Wir erwarten, dass die Fed die Zinsen bald langsam und schrittweise anhebt.“ In Europa dagegen sind höhere Zinsen nicht in Sicht. Der Euro könnte also im Vergleich zum Dollar weiter an Wert verlieren.

Hiesige Betriebe freut’s. Schon dieses Jahr sind die deutschen Exporte in die Staaten dramatisch gestiegen – „von Januar bis August um 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, so Hauber.

Womöglich lösen die USA also auch dauerhaft Frankreich als wichtigstes Zielland deutscher Ausfuhren ab.

 

 


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aktualisiert am 31.03.2017

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