Standpunkt

Riskante Sparpläne

Lohn in Firmenanteile investieren – dazu sollte der Staat niemanden drängen

Union und SPD haben beide wieder was Neues: Sie wollen es steuerlich fördern, wenn Arbeitnehmer Firmen-Anteile kaufen.

Schon bei Spar-Zulagen überhaupt kann man seine ordnungspolitischen Bedenken haben: Wie wir unser Geld verwenden, sollte den Staat nicht kümmern. Einkommen erst durch Steuern schmälern, die Steuern dann teilweise zurückgeben, damit das verbliebene Einkommen nicht ganz ausgegeben wird – das ist kein guter Dreh!

Mehr Kapital in Arbeitnehmer-Hand, dazu gäbe es einen besseren Weg. Nämlich den „vorgelagerten Steuerverzicht“ bei sämtlichen auf die hohe Kante gelegten Geldern.

Soll heißen: Besteuert wird nur das Einkommen, das wir zur freien Verfügung halten. Was wir fest anlegen, egal wo und wie, bleibt zunächst außen vor, hier greift erst bei der Auszahlung die „nachgelagerte Besteuerung“.

Beim Sparen für die Rente stellt der Staat auf dieses System um. Täte er das generell, würde er aufhören, Sparen durch „Steuer-Vorabzug“ zu belasten. Unserem Sparen jedoch eine Richtung vorzugeben, ist seines Amtes nicht. Was diese Regierung  immerhin eingesehen hat, als sie die Eigenheim-Zulage strich.

Aber nunmehr wollen eben sowohl Schwarz als auch Rot die Arbeitnehmer auf die Kapitalmärkte drängen. Als Veranlassung gilt die fragwürdige Erkenntnis, dass sich Gewinneinkommen im Schnitt besser entwickeln als Lohneinkommen.  Das mag im einen Jahr oder Jahrzehnt rechnerisch zutreffen, im anderen nicht. Aber das Unternehmer-Risiko, das sich in den vielen Pleiten zeigt, geht so oder so in diese famose Rechnung nicht ein.

Es stimmt also nicht, dass der aussichtsreichere Weg zur Vermögensbildung über eine stärkere Teilnahme an den Erträgen „der Unternehmen“ führt.  Richtig wäre: „der erfolgreichen Unternehmen“. Dass man jedoch nicht wissen kann, welche Unternehmungen über welche Zeitspanne hinweg erfolgreich sein werden, ist das A und O von Unternehmertum – und in zweiter Linie von Spekulantentum.

Ein Schimpfwort ist dieses Wort in dieser Wirtschaftszeitung nicht: Ein Spekulant ist der Sache nach auch einer, der Geld in Aktien steckt – und damit anderer Leute Arbeitsplätze vorfinanziert. Und keinesfalls wird diese Wirtschaftszeitung Arbeitnehmer davon abhalten wollen, ihr Geld für solch einen Verwendungszweck zu riskieren. Aber ordnungshalber und moralisch ist der Politik verboten, sie dorthin zu drücken.


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