Chemie-Industrie

Risiken im Blick


Das Wachstum lässt nach, Energie ist teuer: Das Jahr 2011

Das waren Festtage: In bester Konsumlaune kauften die Deutschen munter ein. Wirtschaftserholung überall –  bleibt das so im neuen Jahr? AKTIV hörte sich in der Branche um.

„Die deutsche Chemie-Industrie wird weiter wachsen, aber mit wesentlich geringerer Dynamik“, sagt Klaus Engel, Chef des Essener Mischkonzerns Evonik und Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie. „Wir gehen davon aus, dass die Produktion 2011 um 2,5 Prozent und der Umsatz um 4 Prozent steigen werden.“

Kein selbsttragender Aufschwung

Mit Blick auf die Milliarden-Kredite für Konjunkturprogramme in vielen Ländern betont Engel: „Von einem selbsttragenden Aufschwung der Weltwirtschaft kann nicht die Rede sein.“

Lesen Sie im Folgenden, was die chemische und pharmazeutische Industrie zum Jahreswechsel  beschäftigt:

Energie

Die Energiekosten schlagen in vielen Produktionen erheblich ins Kontor. „Die Energiepreise sind bei uns 50 Prozent teurer als im europäischen Durchschnitt“, sagt Chemie-Analyst Christian Schlimm von Allianz Global Investors in Frankfurt.

Gesundheitsreform

Die Preise für Arzneimittel werden voraussichtlich um 2 Prozent sinken, so die Prognose des Instituts für medizinische Statistik in Köln. Grund sind Gesundheitsreformen: Der Posten „Medikamente“, der nur gut ein Siebtel der Gesundheitskosten ausmacht, steht derzeit im Fokus der  Politik.

Was diese „Sündenbock“-Rolle bedeutet, bekommen Mittelständler wie Mundipharma in Limburg zu spüren: „Die seit August 2010 wirksamen Zwangsrabatte von insgesamt 20 Prozent auf neue Arzneien belasten uns überproportional“, sagt Geschäftsführer Gunther Niederheide. Er sieht die Zukunft „nicht sehr positiv“ und gibt zu bedenken: „Als einer der größten Arbeitgeber der Region brauchen wir stabile Rahmenbedingungen und Planungssicherheit. Beides finden wir zurzeit nicht.“

Strukturwandel

Überkapazitäten bescheren der Mineralölverarbeitung in ganz Europa derzeit eine tiefe Strukturkrise, mit Raffinerie-Verkäufen und sogar Werkschließungen.

„Leider nimmt das Raffinerie-Geschäft am Konjunkturaufschwung nicht teil“, berichtet Markus Scheib, Geschäftsführer bei der Mineralöl-Raffinerie Miro in Karlsruhe. Deshalb seien die Kosten im Blick zu halten. Scheib betont: „Das gilt auch für die Personalkosten.“

Rohstoffe

Tesa, die Klebeband-Sparte des Konsumgüterherstellers Beiersdorf in Hamburg, erwartet einen „stabilen Aufschwung“, der jedoch mit „Unsicherheiten behaftet“ ist, so Pressesprecher Reinhard Martin. Etwa die Rohstoffe:  „zu knapp und zu teuer“!

Fachkräfte

Steigende Preise für Rohstoffe und Energie sind auch für den Reifen-Hersteller Michelin in Karlsruhe eine „kritische Größe“. Was Dieter Freitag, Direktor Michelin Deutschland, außerdem umtreibt: „Wer wachsen will, benötigt gut ausgebildete Fachkräfte.“

Demografie

Die alternde Gesellschaft beschäftigt Patrick Giefers, Geschäftsführer des Kunststoff-Herstellers Ineos in Köln: „Wir arbeiten daran, im Sinne unseres Standortes die Hürden von morgen anzupacken. Das sind der demografische Wandel, die Qualifizierung und die Gesundheit unserer Beschäftigten.“

Euro-Krise

Der Industrieparkbetreiber Infraserv Höchst in Frankfurt sorgt sich um die Staatsschulden etwa in Griechenland, Irland und Portugal. Geschäftsführer Jürgen Vormann: „Die Folgen der Finanzmarktkrise sind noch nicht vollständig absehbar. Hier müssen wir wachsam sein!“

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