Politik

Rente mit 67: Wer hat Recht?


Protest gegen die Reform: Demonstration in Kaiserslautern. Foto: dapd

Gewerkschaften und Regierung streiten um Arbeitsmarkt-Statistiken

Berlin. Für die Regierung ist die Sache entschieden: Die Rente mit 67 ist „vertretbar und bleibt notwendig“. So steht es im Bericht des Arbeitsministeriums zur Beschäftigungslage älterer Menschen, der nach Beschluss der Koalition die schrittweise Anhebung des Rentenbeginns ab 2012 rechtfertigt.

Für die Gewerkschaften bleibt diese Reform ein Reizthema. Während Arbeitsministerin Ursula von der Leyen betont, die Job-Chancen Älterer hätten sich spürbar verbessert, werfen ihr die Gewerkschaften Schönfärberei vor. Beide Seiten streiten mit verschiedenen Statistiken.

Fakt ist: Noch immer haben viele ältere Menschen keine Arbeit. Fakt ist aber auch, dass die Beschäftigung der Menschen im rentennahen Alter stark steigt. Das belegen zum Beispiel Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Demnach hat sich bei den 60- bis 64-Jährigen der Anteil der Erwerbstätigen seit dem Jahr 2000 verdoppelt – und liegt jetzt bei rund 40 Prozent.

Widerspruch lässt sich auflösen

Ein Haken an der Rechnung mit den Erwerbstätigen: Darunter fällt jeder, der Arbeit hat – normale Arbeitnehmer, Beamte und Selbstständige, aber auch Mini-Jobber.

Die Gewerkschaften interessiert jedoch vor allem sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, mit der sich solide Rentenansprüche erwerben lassen. Auch hier legte die Quote stark zu.

Knapp ein Viertel der 60- bis 64-Jährigen hat heute so eine Anstellung. Vor zehn Jahren galt das erst für einen von neun Älteren! Die Zunahme der Erwerbsdauer verlaufe „sehr dynamisch“, heißt es im Regierungsbericht. Sein Titel: „Aufbruch in eine altersgerechte Arbeitswelt“.

Dass also deutlich mehr Ältere als früher in Lohn und Brot sind: Passt das zu den jüngsten Schlagzeilen wie „Immer mehr Alte müssen Arbeit suchen“?

Wasser auf die Mühlen der Kritiker war nämlich eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit: Die Zahl der 60- bis 64-jährigen Erwerbslosen hat sich von Oktober 2007 bis Oktober 2010 vervierfacht, auf 145.500.

Dieser vermeintliche Widerspruch lässt sich aber leicht auflösen. Denn es haben sich wichtige Rahmenbedingungen verändert – so ist letztes Jahr die staatliche Förderung der Altersteilzeit ausgelaufen. Schon zuvor war die „58er-Regelung“ weggefallen, die die Statistik schönte: Früher musste, wer 58 oder älter war, bis zur Rente keine Arbeit mehr annehmen – galt aber nicht als arbeitslos. Das nutzten allein im Jahr 2007 gut 400.000 Menschen.

„Die Zahl der Älteren ohne Job ist in Wirklichkeit nicht gestiegen – sondern die Statistik muss seit 2007 nur ehrlicher sein“, so Ministerin von der Leyen.

Aber was ist eigentlich mit der Jugend? Hat sie künftig schlechtere Chancen, weil die alten Hasen länger in den Betrieben bleiben? Keine Sorge – Platz wird für beide sein: Unsere erwerbsfähige Bevölkerung schrumpft bis 2030 um mehr als 6 Millionen Menschen.

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