Wie viel Gewinn bleibt da eigentlich übrig?

Reizthema Rendite: Neue Zahlen für die Metall- und Elektro-Industrie

Für manche verblüffend: Im wichtigsten Industriezweig Metall und Elektro bleiben nur 4 von 100 Euro Umsatz als Gewinn in der Kasse. Das ist der Mittelwert nach Steuern – in jedem vierten Unternehmen sieht es mau aus.

Schmales Stück: Von 100 Prozent Umsatz-Kuchen blieben 2016 im Schnitt 4 Prozent Rendite nach Steuern. Foto: Roth

Schmales Stück: Von 100 Prozent Umsatz-Kuchen blieben 2016 im Schnitt 4 Prozent Rendite nach Steuern. Foto: Roth

Berlin. In Deutschlands wichtigstem Industriezweig läuft es nicht schlecht: Die Kapazitätsauslastung der Metall- und Elektro-Industrie (M+E) liegt über dem langjährigen Schnitt, wie der Arbeitgeberdachverband Gesamtmetall meldet. Die Beurteilung der Geschäftslage hat sich weiter verbessert. Da dürften die Gewinne ja nur so sprudeln, oder?

„Tatsächlich sind die Erträge der Unternehmen 2016 im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben“, erklärt Michael Stahl, Chefvolkswirt des Verbands. Was das in konkreten Zahlen heißt, dürfte viele verblüffen: Gerade einmal 4 Euro von 100 Euro Umsatz bleiben nach Steuern in der Kasse. Wie klein dieses Stück vom Umsatz-Kuchen ist, verdeutlicht das AKTIV-Foto.

Die Berechnung der sogenannten Nettoumsatzrendite basiert auf einer regelmäßigen Umfrage des Münchner Ifo-Instituts unter rund 1.000 M+E-Unternehmen. Deren Antworten wurden nach Größe der Firmen gewichtet – wie es einem Weltkonzern geht, wirkt sich für die Branche insgesamt naturgemäß stärker aus als das Ergebnis eines Kleinbetriebs. Trotzdem interessant: Würde man alle Firmen gleich zählen, wäre das Kuchenstück um ein knappes Viertel kleiner.

Dazu muss man außerdem wissen, dass die Ifo-Umfrage schon oft ein eher zu positives Bild gezeichnet hat, jedenfalls verglichen mit später vorliegenden präziseren Statistiken. Und vor allem, dass der Schnitt eben nicht für alle gilt.

„Man kann die Betriebe nicht einfach über einen Kamm scheren“, betont Stahl, „sondern muss das differenziert betrachten, die Renditen sind breit gestreut.“ Bei manchen Unternehmen ist das Kuchenstück also dicker. Aber: „Jeder siebte Betrieb schreibt Verluste“, so Stahl, „jeder zehnte schafft gerade so eine schwarze Null.“ Heißt: Einem Viertel der Firmen bleibt am Ende nicht genügend in der Kasse!

Und das ist nicht nur für die Inhaber oder die Aktionäre ein Problem. Denn ein erheblicher Teil der Investitionen wird letztlich über die einbehaltenen Gewinne finanziert. In seiner Zeit als Bundeskanzler hat der SPD-Politiker Helmut Schmidt diesen wichtigen Zusammenhang mal so auf den Punkt gebracht: „Die Gewinne von heute sind die Investitionen von morgen und die Arbeitsplätze von übermorgen.“ Dazu betont Stahl: „Die M+E-Unternehmen haben im Vorjahr rund 37 Milliarden Euro in Bauten und Ausrüstungen investiert – damit fließt rechnerisch der größte Teil der Gewinne wieder in die Investitionen.“ Viele Unternehmen müssen sich jetzt aber neu aufstellen, wie der Chefvolkswirt erklärt: „Themen wie die Digitalisierung oder alternative Antriebe erfordern in naher Zukunft noch sehr viel höhere Investitionen – das Geld dafür muss erst einmal verdient werden.“


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Ein neuer „M+E-Strukturbericht“ beleuchtet, welche Bedeutung die Metall- und Elektro-Industrie für Deutschland hat – und wie sie im internationalen Wettbewerb dasteht. Die Befunde sind nicht nur positiv.

Wo gewirtschaftet wird, gibt es hoffentlich Gewinn – sonst läuft der Laden ja nicht. Trotzdem wird über die Profitgier von „denen da oben“ gern geschimpft. Wer genauer hinguckt, kommt schnell ins Staunen. Testen Sie es selbst!

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