Tarifrunde in der Metall- und Elektro-Industrie

Reizthema Arbeitszeit: Die allermeisten sind zufrieden

Die IG Metall fordert in der Metall- und Elektro-Tarifrunde eine „28-Stunden-Woche“. Dabei beruft sie sich auf ihre große Umfrage. Deren Ergebnisse zeigen aber: Nur jeder Zehnte ist nicht zufrieden mit seiner Arbeitszeit!

Im Alltag flexibel: Betriebe machen für Beschäftigte vieles möglich. Foto: Fotolia

Im Alltag flexibel: Betriebe machen für Beschäftigte vieles möglich. Foto: Fotolia

München. Es ist eine große Zahl, die jetzt für alles herhalten muss: 681.241. So viele Beschäftigte, ganz überwiegend aus der Metall- und Elektro-Industrie (M+E), haben sich nach Auskunft der IG Metall Anfang des Jahres an einer Umfrage zum Thema Arbeitszeit beteiligt.

Die Umfrage ist zwar erklärtermaßen nicht repräsentativ – so ist der Fahrzeugbau mit seinen großen Betrieben unverhältnismäßig stark vertreten. Doch mit seiner schieren Größe soll das Projekt jetzt als Rechtfertigung für die umstrittenste tarifpolitische Forderung seit vielen Jahren dienen: die 28-Stunden-Woche für diverse Lebenslagen, mit teilweisem Lohnausgleich und mit einem Anspruch auf Rückkehr zur normalen Stundenzahl.

Radikale Forderung belastet Tarifrunde in Deutschlands Schlüsselbranche

Die Arbeitskosten, der Wettbewerb, der Fachkräftemangel: All das wird ausgeblendet. Stattdessen wirbt die Gewerkschaft für den großen Freizeittraum – und um neue Mitglieder. Sie präsentiert sich als Anwalt für alle, ganz bewusst hat sie für die Umfrage nicht nur die eigene Basis kontaktiert: „38 Prozent der Antworten“, so lässt sie wissen, „kommen von Nichtmitgliedern.“

Angeblich kann die IG Metall nun gar nicht anders, als mit dieser radikalen Forderung zur Arbeitszeit in die Tarifrunde zu ziehen. Doch es gibt da eine große Unstimmigkeit. Die Umfrage gibt diese Story gar nicht her. Auf die wichtigste Frage der Erhebung, wie zufrieden man mit der persönlichen Arbeitszeit ist, strecken die Beschäftigten den Daumen nach oben: Nicht weniger als 71 Prozent sind „zufrieden“ oder „eher zufrieden“.


Nur 10 Prozent äußern sich „eher nicht“ oder „nicht“ zufrieden. Immerhin profitieren die Arbeitnehmer der Metall- und Elektro-Industrie von der kürzesten tariflichen Arbeitszeit weltweit. Und die bestehenden gesetzlichen Vorschriften ermöglichen es längst, die vertraglich fixierte Stundenzahl in Abstimmung mit dem Arbeitgeber zu verringern.

Doch auch ohne einen so weitreichenden Schritt lassen sich Job und Privates offensichtlich gut vereinbaren. Laut IG Metall berichten 86 Prozent, dass sie notfalls „kurzfristig für ein paar Stunden gehen können“. Das zu ermöglichen, ist für die Betriebe mit ihrer oft vertakteten und auf die Kundenwünsche ausgerichteten Produktion keine Kleinigkeit. Sogar die Stundenzahl vorübergehend abzusenken, ist für die Mehrheit der Befragten kein Problem. Natürlich braucht auch der Betrieb Flexibilität. Er muss Kunden bedienen, Lieferpflichten einhalten, den schwankenden Auftragseingang managen.

Es ist eben ein sorgfältig austarierter Interessenausgleich. Und die Umfrage zeigt: Er funktioniert. Nur jeder Zehnte sagt, er komme mit der vom Betrieb geforderten Flexibilität „eher nicht“ oder „nicht“ zurecht.

Was aber deutlich wird: Die tarifliche 35 -Stunden-Woche passt als Uniformlösung nicht mehr zu den Wünschen vieler Beschäftigter. Für 20 Prozent liegt die Wunsch-Arbeitszeit niedriger. Eine größere Gruppe, 32 Prozent, möchte mehr arbeiten.

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aktualisiert am 26.09.2017

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