Mehr Chancen für Jobsucher

Regierung will Langzeitarbeitslose besser fördern

Jobcenter (in Duisburg): Viele Langzeitarbeitslose gelten als „schwer vermittelbar“. Foto: WAZ

Nürnberg. Eigentlich entwickelt sich der Arbeitsmarkt super: Seit 2005 ist die Zahl der registrierten Jobsucher von fünf auf drei Millionen geschrumpft. Und die Zahl der Langzeit-Arbeitslosen (ab zwölf Monate) ging von 1,7 auf 1,1 Millionen zurück. Aber es gibt einen harten Kern der Dauer-Hartzer: 37 Prozent derer, die Ende 2011 Arbeitslosengeld II bezogen, bekamen mindestens seit Anfang 2005 durchgängig Stütze.

Jetzt verspricht ihnen die Regierung „neue Chancen“. Man werde Langzeitarbeitslose „verstärkt in Arbeit vermitteln, sie passgenau qualifizieren und begleiten sowie bei Bedarf auch nachgehend betreuen“, heißt es im Koalitionsvertrag. Immerhin soll der jährliche „Mitteleinsatz für die Eingliederung Arbeitssuchender“ um 350 Mil­lio­nen Euro erhöht werden.

1.086.000 Bundesbürger sind ein Jahr und länger auf Jobsuche

Bisher ist der Erfolg der Bundesagentur für Arbeit (BA), mit ihren lokalen Jobcentern und insgesamt 110.000 Leuten, hier äußerst mau. Nach der jüngsten Eingliederungsstatistik gab es im Jahr 2012 zwar 979.000 „Abgänge aus dem Hartz-IV-Bezug in abhängige Beschäftigung“. Doch nur 38 Prozent davon kamen durch die Jobcenter zustande – und sogar nur 11 Prozent wurden durch die Jobcenter in eine reguläre, ungeförderte Stelle vermittelt.

Dabei sind viele Betriebe aufgeschlossen. Jeder Dritte ist „bereit, langzeitarbeitslosen Bewerbern eine Chance zu geben“, ermittelte das BA-eigene Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Es gibt viele Initiativen, etwa das Projekt „Aufstiegscoach“ der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände: Hier haben Langzeitarbeitslose kompetente Begleiter, die etwa mit einer Stärken-Schwächen-Analyse abchecken, wo es klemmt. Sie stellen auch Kontakte zu Betrieben her.

Mehr Coaching, sagt IAB-Vizedirektor Ulrich Walwei im Gespräch mit AKTIV, wäre auch in den Jobcentern sinnvoll: Diese bräuchten „noch mehr Ressourcen im Bereich der sozialpä­dagogischen Begleitung von besonders arbeitsmarktfernen Langzeitarbeitslosen“. Es sei zu begrüßen, wenn die Regierung jetzt neue Wege gehen wolle. „Klassische Wege wie Lohnkostenzuschüsse und Ein-Euro-Jobs helfen in den ganz schwierigen Fällen nur bedingt weiter.“

Walwei wirbt für unkonventionelle Maßnahmen: Singen im Chor, Theaterspielen, Volksläufe, Ehrenämter. „Freiwillig natürlich!“ Betroffene bräuchten erst einmal Erfolgserlebnisse – in anderen Ländern habe man das längst erkannt. Experten sprechen von sozialer Aktivierung. „Das muss keine hohen Zusatzkosten verursachen.“

Indes wird der geplante Mindestlohn in diesem Zusammenhang wohl zum Problem. Walwei: „Es wird eine große Herausforderung, Betroffene so fit zu machen, dass sie diese Hürde überspringen können.“


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