Leitartikel

Reformbedarf am Arbeitsmarkt

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Wie „normal“ geht es noch zu in unserer Arbeitswelt? Von Leuten mit „prekärem“ Job war im Wahlkampf ja viel die Rede. Die gefühlte Wirklichkeit ist krass: So sind mindestens 20 Prozent als Zeitarbeiter beschäftigt – glauben laut einer neuen Umfrage zwei von drei Bürgern.

In Wahrheit sind es 3 Prozent Zeitarbeiter. Auch ansonsten passt das Bild von der allgegenwärtigen Absturzgefahr, das trotz der guten wirtschaftlichen Lage in den Köpfen herumspukt, nicht zu den Fakten. Die Zahl der klassischen, unbefristeten Vollzeitjobs ist 2012 um fast 400.000 gestiegen. Sie liegt um 900.000 höher als 2004, dem Jahr vor dem Inkrafttreten der Hartz-IV-Reform.

Und das „Weltwirtschaftsforum“, eine Vereinigung von rund 1.000 international aufgestellten Konzernen, hat kürzlich 148 Länder nach ihren Qualitäten als Wirtschaftsstandort analysiert. Deutschland landet auf Platz 4 – aber in der Kategorie „Flexibilität des Arbeitsmarkts“ abgeschlagen auf Platz 113, hinter Vietnam und Nicaragua.

Deutschland, das teilt die Studie den Arbeitgebern dieser Welt mit, hat keine Anarchie in der Arbeitswelt, ganz im Gegenteil: Wir haben im globalen Vergleich immer noch eine sehr starre Lohnfindung und einen extrem rigiden Kündigungsschutz. Für die „Normalbeschäftigten“ ist das erst mal beruhigend: Ihnen kann so schnell keiner. Aber die Millionen, die sich am Arbeitsmarkt hinten anstellen müssen (und dazu gehören auch viele bewährte Kräfte, deren Betrieb pleiteging), haben es entsprechend schwer. Weil Unternehmer in einer solchen Käseglocken-Welt nur sehr zögerlich einstellen.

Die neue Bundesregierung muss da ran. Damit unser Jobwunder weitergeht.


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