Tipp der Woche

Raus aus den Miesen!


Warnsignal: Wenn sich ein Dauer-Minus auf dem Giro hält, sollte man an eine Umschuldung denken. Foto: Photostock/vario images

Wer ständig den Dispo nutzt, lebt teuer und riskant

Die Zinsen fürs Ersparte sind kräftig gesunken. Der gute Grund: Der sogenannte Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) liegt längst auf einem historischen Tiefstand – und den Trend nach unten haben viele Banken ratzfatz an die Spar-Kunden weitergegeben. Mit einer Senkung der Kreditzinsen dagegen lassen sich die Banker sehr viel Zeit: Wer sein Konto überzieht, zahlt durchschnittlich 12 Prozent für den Dispo – also kaum weniger als vor einem Jahr.

Schnäppchen, die keine sind

„Ohne die Leitzins-Senkung der EZB wären die Dispo-Zinsen wohl noch höher“, meint Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Denn die Institute bräuchten wegen der Finanzkrise höhere Margen: „Wer als Kunde permanent in den Miesen ist, finanziert die Sanierung der Banken mit.“

Kein Wunder, dass die für ihren teuren Dispo kräftig werben: Man solle ihn doch nutzen für „zusätzliche Ausgaben im Urlaub“ oder „günstige Angebote“, so wirbt zum Beispiel die Deutsche Bank. Das führt aber in die Irre: Wenn man die hohen Zinsen zum Kaufpreis addiert, verliert auch ein Super-Schnäppchen schnell an Reiz.

„Der Dispo ist mit der teuers­te Kredit auf dem Markt – das Geld sollte nicht zum Shoppen genutzt werden, sondern nur, damit unerwartete Abbuchungen nicht platzen“, so Nauhauser. „Und dann sollte man das Konto möglichst schnell wieder ausgleichen.“

Die Unterschiede zwischen den Banken sind beträchtlich: Die erlaubten  Miesen auf dem Konto kosten zwischen 7 und 15 Prozent pro Jahr (einen unvollständigen Überblick liefert gratis die Internet-Seite girokonto.fmh-rechner.de). Überzieht man noch weiter, berechnen einige Institute so­gar knapp 20 Prozent.

Bei einem kurzfristigen Minus macht das wenig aus. Doch wer regelmäßig in den Miesen ist, zahlt kräftig: Wer 2.000 Euro Dispo mit sich herumschleppt, berappt dafür je nach Bank zwischen 140 und 300 Euro jährlich. Grund genug, das Konto wieder auf Vordermann zu bringen.

„Zuerst sollte man analysieren, wie es zur Überziehung kam“, rät der Experte. Ist das Minus nach und nach aufgelaufen, zeigt dies an, dass man über seine Verhältnisse lebt. Hier hilft nur eines: Den Gürtel enger schnallen.

Sparbuch opfern

Steckt eine einmalige Zahlung hinter den Miesen, etwa die für eine unerwartete Auto-Reparatur, kann man die Sache entspannter sehen. Auf Dauer sollte man für solche Fälle aber Rücklagen aufbauen: Empfohlen wird eine Reserve von drei Nettogehältern.

In jedem Fall sollte man das überzogene Konto möglichst schnell ausgleichen, zum Beispiel mit Geld vom Sparbuch oder dem Bausparvertrag.

Ist das nicht möglich, empfiehlt Nauhauser die Umschuldung auf einen Ratenkredit: Der ist deutlich günstiger als der Dispo. Ratenkredite kann die Bank normalerweise nur kündigen, wenn man mit der Rückzahlung in Verzug gerät.

Info: Täglich fällig

Wer sich zu sehr auf den „Dispo“ verlässt, lebt riskant: So ein Kredit auf dem laufenden Konto kann von der Bank oder Sparkasse in aller Regel jederzeit und ohne Kündigungsfrist gekündigt werden. Das kann mit oder ohne Vorwarnung geschehen, ganz oder teilweise.

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Schlagwörter: Private Finanzen

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