Qualität

Rauf aufs Siegertreppchen!


Preise und Pokale garantieren Firmen Aufmerksamkeit

Wir sind Weltmeister! Das weiß  jeder. Jedenfalls beim Handball und im Frauenfußball. Doch auch viele Betriebe, gerade aus Bayerns Metall- und Elektro-Industrie, gehören zu den Besten der Besten. Sie holen bei Wettbewerben regelmäßig erste Preise.

Allerdings hat nicht jede Auszeichnung den gleichen Stellenwert! Den Überblick zu behalten, fällt mittlerweile schwer – auch weil es immer mehr solcher „Awards“ gibt, europaweit sind es allein 200 für „Qualität“.

Fünf wichtige Preise für Unternehmen im Überblick:

Bayerischer Qualitätspreis

Vergeben wird er jährlich vom Bayerischen Wirtschaftsministerium. Unternehmen schätzen den sachlichen Vergleich untereinander nach Zahlen und Fakten.

Im laufenden Jahr geht er an Knorr-Bremse, die Firmen Delphi mit seinem oberpfälzischen Werk Neumarkt sowie Hunger Dichtungs- und Führungselemente in Würzburg. Die Anforderungen sind hoch.  Ingrid Hunger, Geschäftsführerin im gleichnamigen Unternehmen, meint: „Diesem Preis ist viel zu wenig anzusehen, welche enorme Leistung der gesamten Mannschaft dahintersteckt.“

Fabrik des Jahres

Der härteste Vergleichstest für deutsche Produktionsstätten. Immer vorne mit dabei: bayerische Werke und Hersteller. Den Titel gewannen 2005 das Siemens Gerätewerk Erlangen, 2006 die ZF Achsgetriebe in Thyrnau und 2007 das Bosch-Werk in Ansbach.

Preise für Arbeitgeber 

Beim „TOP Arbeitgeber Automotive“ werden Firmen auf

ihre Leistungen in Bezug auf ihre Mitarbeiter geprüft.  Für den Titel „Attraktivster Arbeitgeber“ werden Tausende Hochschulabsolventen befragt. Auf den vorderen Plätzen: Audi, BMW und Bosch Rexroth.

Spezialpreise

Regional vergeben werden Auszeichnungen wie etwa der „Jobstar“ der Metropolregion Nürnberg.  Er wird an Firmen verliehen, die Arbeitsplätze schaffen – zum Beispiel 2007 an Sill Optics in Wendelstein.

Der „Azubi-Star“ von CNA (das Kürzel steht für einen Zusammenschluss von Firmen für Logistik und Verkehr) würdigt die höchste Zahl der über Bedarf ausgebildeten Lehrlinge im Betrieb.  2007 ging er nach Nürnberg an Diehl.

InKA

Gute Ideen und ihre gelungene Umsetzung in Produkte belohnt die Fraunhofer-Gesellschaft mit dem Innovations- und Kreativitäts- Award „InKA“. Ihn bekam in diesem Jahr  Wika Tronic – Weltmarktführer für Druck- und Temperaturmessgeräte aus Klingenberg in Unterfranken.

Interview: „Preise motivieren die Mitarbeiter“

Für Qualität, Leistung oder neuartige Produkte: Fast täglich wird in der Wirtschaftswelt ein Preis verliehen. Und die Unternehmen sind stolz auf ihre Auszeichnungen. Wem sie nützen, was sie bringen, das beurteilt Karl Venker, Professor für Betriebswirtschaft an der Ohm-Hochschule in Nürnberg.

AKTIV: Was hat ein Unternehmen von Auszeichnungen?

Venker: Preise sind immer öffentlichkeitswirksam, besonders wenn sie von einem unabhängigen Gremium nach objektiven Gesichtspunkten vergeben werden. Zum Beispiel der Innovationspreis für neu entwickelte Produkte. Der bestätigt dem Betrieb Zukunftsfähigkeit. Das macht die Produkte attraktiv und hilft auch, dass sich Naturwissenschaftler für die Forschung in diesem Unternehmen interessieren.

AKTIV: Sind mit Preisen ausgezeichnete Betriebe erfolgreicher?

Venker: Meistens. Denn Preise helfen, die eigenen Stärken herauszustellen. Die Kunden wissen dann, wo diese Firma besser ist als die Konkurrenz. Und die Mitarbeiter werden durch Preise motiviert. Sie sind stolz auf ihr Unternehmen, arbeiten besser und machen weniger Fehler.  

AKTIV: Wie viele Preise und Awards gibt es überhaupt?

Venker: Viel zu viele! Am wirksamsten sind diejenigen Preise, die von der Öffentlichkeit gewünscht werden, wie etwa der „Bambi“. Wenn aber Unternehmen über eine hauseigene Jury Preise an sich selbst verleihen, dann wollen sie meistens nur ihre Produkte besser vermarkten.

Beispiel: Knorr-Bremse

Einfach exzellent

München. Laufende Verbesserung und Fehlerüberwachung sind feste Bestandteile der Fertigung beim Knorr-Bremse-Konzern in München. Nach dem sogenannten „Knorr-Bremse-Produktions-System“ wird weltweit in allen Werken nach denselben Abläufen produziert.

Dafür erhielt der Hersteller von Brems- und Türsystemen im Verkehrsbereich den, Bayerischen Qualitätspreis 2007.

Geschäftsführer Albrecht Köhler ist stolz auf diese Beurteilung von außen: „Denn sie bestätigt uns, dass wir alles richtig machen.“ Er sieht in Auszeichnungen für sein Unternehmen so etwas wie die Noten nach einem hervorragend bestandenen Examen.

Ungewöhnlich ist zuweilen die Reaktion der Kunden auf solche Preise. Köhler: „Vor kurzem haben sich 16 Werkleiter eines großen Unternehmens angemeldet, um von uns zu lernen.“

Zudem öffnet der Konzern oft seine Tore für sogenannte „Best Practice“-Veranstaltungen. Dabei können sich Firmen Einblicke ins zielorientierte Produzieren verschaffen.

Beispiel: Bühler Motor

Klasse Arbeitgeber

Nürnberg. Matthias Otto stellt sich schon mal in der Uni mit dem leuchtend roten Schild „TOP Arbeitgeber Automotive ’07“ vor die Studenten. Der Personalleiter von Bühler Motor sagt: „Als mittelständisches Familienunternehmen müssen wir mehr tun als andere, um die richtigen Fachkräfte zu finden.“ Und: Mit so einem Preis als „TOP Arbeitgeber“ hebt man sich gut von der Konkurrenz ab.

Bis zu zehn Ingenieure benötigt Bühler jedes Jahr, ausgebildet nach dem neuesten Stand der Wissenschaft. Denn die Firma will die Wünsche und Anforderungen ihrer Kunden vorwiegend aus dem Automobil- und Luftfahrtbereich erfüllen.

Und sie will mit Neuheiten punkten. Otto nennt ein Beispiel: „Wir haben vor zwei Jahren eine besonders leistungsfähige Zusatz-Wasserpumpe entwickelt.“ Mit ihr lassen sich Standheizungen oder Motorkühlsysteme betreiben.

So ein Preis motiviert auch die  Belegschaft. Der Personalchef weiß: „Das bringt einen solchen Image-Gewinn, auf den alle stolz sind. Das hält vor allem die guten Mitarbeiter im Haus.“

Beispiel: Bosch

Beste Fertigung

Ansbach. Zum ersten Mal be-worben und gleich im härtesten deutschen Industriewettbewerb Gesamtsieger geworden: Das Werk von Bosch im mittelfränkischen Ansbach ist „Fabrik des Jahres 2007“. Der kaufmännische Werkleiter Wolfram Anders sagt: „Dafür muss die ganze Mannschaft spitze sein.“

Bei diesem Preis zählen nur Fakten. Die Veranstalter, die Fachzeitschrift „Produktion“ und die Unternehmensberatung A.T. Kearney überprüfen alles mit einem Audit vor Ort. Beworben hatten sich bundesweit über  200 Betriebe aus allen Branchen.

Werkleiter lobt und spornt an

Wer da punkten will, braucht mehr als nur das Glück. „Die Leute müssen ihr Verhalten ändern“, so Anders. Hilfsbereitschaft ist da so wichtig wie der Drang, ständig noch besser zu werden.

Um seine Mitarbeiter zu motivieren, nutzte der Werkleiter eine Vision: „Wir wollen das beste Automobil-Zulieferwerk sein“, war sein Motto.

Regelmäßig geht Anders durch die Produktion und Abteilungen, spricht mit den Mitarbeitern und lobt sie. Das spornt an und spiegelt sich wider in der Qualität der Produkte – elektronische Steuerungssysteme für Airbags, fürs Stabilisierungssystem ESP und fürs Anti-Blockier-System ABS.

Zudem traf Anders mit dem Betriebsrat eine Vereinbarung zur Sicherung des Standorts und der Beschäftigung. „Das gab ebenso den Ausschlag für den Gesamtsieg wie eine erfolgreiche Kenndatenentwicklung über mehrere Jahre“, schildert er.

Doch der Werkleiter will noch mehr: weitermachen, die Kosten senken und neue Produkte an Land ziehen. „Nur so können wir am Standort bestehen.“

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