Arbeitsmarkt

Raue Sitten in Amerika


Warum Deutschlands Arbeitnehmer in der Krise besser dastehen als ihre US-Kollegen

Die ganze Welt jubelte. Und die Börse feierte Barack Obama am Tag seiner Wahl zum 44. US-Präsidenten mit einem Kurs-Feuerwerk. Doch schon am nächsten Tag war die Euphorie verflogen. Denn zu groß sind die Prob­leme, die Obama anpa­cken muss, wenn er am 20. Ja­nuar ins Weiße Haus einzieht.

Das größte ist die Arbeitslosigkeit. Während bei uns im Oktober die Zahl der Menschen ohne Job erneut sank, gingen in den USA 240.000 Stellen verloren. Der Anteil der Arbeitslosen stieg auf 6,5 Prozent, den höchs­ten Stand seit 14 Jahren. „Bis der designierte Präsident Obama sein Amt antritt, wird er sich wohl einer Arbeitslosenquote von fast 7 Prozent ge­gen­übersehen“, so die Analys­ten der Privatbank HSBC Trinkaus.

Täglich verschwinden Tausende Jobs

Es sieht in der Tat düster aus: Die US-Autobauer stecken in einer schweren Krise, setzen Zehntausende Arbeiter auf die Straße. Durch die fallenden Immobilien-Preise und die Flaute an den Börsen sinkt das Vermögen der Bürger. Und da viele Haushalte hoffnungslos verschuldet sind und deshalb keine Kredite mehr bekommen, geht der Konsum zurück. Was Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft hat und täglich Tausenden von Amerikanern den Job kostet.

Zwar steuert auch Deutschland auf eine Krise zu, doch unsere Arbeitnehmer wird  sie – zumindest vorerst – nicht mit einer derartigen Wucht treffen wie ihre US-Kollegen. Denn hierzulande haben die Betriebe gleich mehrere Möglichkeiten, auf einen Abschwung zu reagieren, ohne gleich ihre Stammbelegschaften zu verringern.

Viele Firmen fahren jetzt Überstunden herunter. Oder stoppen das sogenannte Outsourcing und holen Produktionsschritte zurück.

Andere trennen sich von Zeitarbeitern. Die Betroffenen verlieren zwar ihren Einsatzort, nicht aber unbedingt ihren Job. Denn sie stehen ja bei einer Zeitarbeitsfirma unter Vertrag.

Und es kommt Hilfe von der Politik. Damit die Zahl der Arbeitslosen nicht wieder steigt, hat die Bundesregierung für 2009 das Kurzarbeitergeld von 12 auf 18 Monate verlängert.

Von einer solchen Absicherung können die Amerikaner nur träumen. Und wer in den Staaten arbeitslos wird, ist erst recht schlecht dran, sagt Eric Thode, Sozialpolitik-Experte der  Bertelsmann Stiftung.

In den USA erhalten die Arbeitnehmer im Schnitt 56 Prozent des früheren Nettos; bei uns bekommen Alleinstehende 60 Prozent und Beschäftigte mit Familie 67 Prozent. Während bei uns das normale Arbeitslosengeld mindestens ein Jahr lang gezahlt wird, sind es in den USA nur 26 Wochen.

Jeder Zehnte braucht Essenmarken

Dort erhalten Alleinstehende danach nichts – außer Wohnungsbeihilfe und Essenmarken. Für Familienväter gibt es – je nach Bundesstaat – maximal 60 Monate lang bis zu 50 Prozent des früheren Nettos. Allerdings gelten die 60 Monate fürs ganze Erwerbsleben. Danach ist Schluss.

In Amerika werden die Leute schon zwei Wochen nach der Kündigung auf die Straße gesetzt. Einen gesetzlichen Schutz kennt man dort nicht.

All das hat zur Folge, dass jeder zehnte der rund 300 Millionen Amerikaner auf Lebensmittelkarten angewiesen ist.

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