Gesellschaft

"Rauchen im Regen ist lächerlich"


Was die Zigaretten-Lobby vom Rauchverbot hält

Ausgerechnet die Grüne Ex-Bundestagsabgeordnete Marianne Tritz ist jetzt Chefin des neuen Verbands der Zigarettenindustrie. Dabei kämpfen doch gerade die Grünen mit harten Bandagen für den Nichtraucherschutz.

Wenn das mal nicht mächtig Qualm verursacht ...

AKTIV: Frau Tritz, bei Ihrer Partei sind Sie doch unten durch, oder?

Tritz: Wieso das denn? 

AKTIV: Na, weil Sie als Grüne jetzt Chefin der Tabak-Lobby sind.

Tritz: Es gab da keine Anfeindungen, die Reaktionen waren überwiegend positiv.

AKTIV: Aber die Grünen sind  Verfechter des Rauchverbots, das Ihr Verband kippen will.

Tritz: Wir wollen nichts kippen! Es ist völlig klar, dass es einen Nichtraucherschutz geben muss. Keiner soll vollgequalmt werden, der das nicht will.

Aber uns stört diese deutsche Gründlichkeit, die dazu geführt hat, dass gleich alles verboten wurde.

AKTIV: Nicht alles. Vor der Kneipe darf ja weitergequarzt werden.

Tritz: Na klasse. Wenn Rauchern keine andere Möglichkeit bleibt, als sich draußen in den Regen zu stellen, dann geht das einfach zu weit. Das ist ein Stück lächerlich.

AKTIV: Vielleicht löst sich das Problem ja von selbst. Die Zahl jugendlicher Raucher sinkt. Das wird Sie als Verband wurmen, oder?

Tritz: Im Gegenteil! Die Zigarette ist ein Produkt für Erwachsene, sie gehört nicht in die Hände von Kindern und Jugendlichen. Diese Entwicklung ist absolut positiv.

AKTIV: Wer als Jugendlicher nicht raucht, fängt vielleicht auch später nicht an. Und Ihnen fehlt der Nachwuchs.

Tritz: Das ist doch absolut schräg jetzt. Wir gehen von 20 Millionen erwachsenen Rauchern in Deutschland aus. Das wird sich nicht wesentlich ändern. Für uns ist interessanter, welche Marken die Menschen rauchen und ob es sich um legale Ware handelt.

AKTIV: 110.000 Raucher in Deutschland sterben jedes Jahr vorzeitig ... 

Tritz: Und wie viele Nichtraucher? Die Wahrheit liegt bei solchen Zahlen wohl in der Mitte. Ich kenne keinen Raucher, der sich des Risikos nicht bewusst ist.  Das steht ja auch auf jeder Packung.

AKTIV: Am miesen Image Ihrer Produkte ändert das aber nichts ...

Tritz: Damit müssen wir  leben. Aber ich kann nicht ewig hergehen und Erwachsenen vorschreiben, was sie dürfen und was nicht. Da geht es um Eigenverantwortlichkeit, um ein Stück Freiheit. Sonst können wir ja gleich alles verbieten, was schädlich sein kann.

AKTIV: Zum Beispiel?

Tritz: Das Glas Bier? Oder Autofahren? Damit versauen Sie das Klima für andere ja auch gleich mit.

AKTIV: Mal ehrlich, wie viele Kippen rauchen Sie am Tag?

Tritz: Keine. Ich habe aufgehört.

AKTIV: Und was reizt Sie an Ihrem neuen Job?

Tritz: Die Arbeit ist total interessant. Ich will mithelfen, Lösungen zu finden, in denen sich Raucher und Nichtraucher wiederfinden. 

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Schlagwörter: Gesundheit Recht

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