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Rasante Entwicklungen


Doppelmesse in Chemnitz vereint Ideen aus Auto- und Textilbranche

Was hat ein Rennwagen auf einer Textilmesse zu suchen? „Wir schauen nach neuen Ideen und Sponsoren“, sagt Jens Fellmeth vom Motorsport-Team der Hochschule Mittweida. Die Gruppe konkurriert in der „Formula Student Germany“ mit rund 500 weiteren Teams aus aller Welt.
Ähnlich wie in der Textilbranche siegt da am Ende jemand mit pfiffigen Ideen und geringen Kosten. Das passt zum Thema der Messe: Denn im Automobilbau soll alles leichter und fester, preiswerter und innovativer werden – mithilfe von Textilien.

Schall- und Wärmedämmung

Um dieses Ziel zu erreichen, besuchten Mitte Mai in Chemnitz etwa 1.300 Fachleute die Doppelmesse „mtex – Internationale Fachmesse & Symposium für Textilien und Composites im Fahrzeugbau 2012“ und die „LiMA – Internationale Fachmesse & Symposium für Leichtbau im Maschinen- und Anlagenbau“.

Zu den Interessierten zählte Matthias Haupt, Ingenieur am Institut für Textilmaschinen und Textile Hochleistungswerkstofftechnik (ITM) der TU Dresden: Sein Projektteam zeigte am Messestand einen speziellen Fußgänger-Aufprallschutz. Um schwere Kopfverletzungen durch die Wucht des Aufpralls auf die Motorhaube zu vermeiden, verwenden die Dresdener gestrickte und gewirkte Abstandstextilien unter der Motorhaube. Sie dämpfen den Aufprall und dienen gleichzeitig als Schall- und Wärmedämmung.

Zwar hat sich in modernen Autos der Aufprallschutz schon deutlich verbessert, aber „durch eine angepasste Auslegung können wir noch deutliche Steigerungen verwirklichen“, verspricht Haupt.

Wie macht man das Auto der Zukunft leichter? Angesichts stetig steigender Spritpreise eine wichtige Frage, auch auf der Messe. Eine Möglichkeit, beim Material abzuspecken und leichtere Autos zu bauen, bieten 3-D-Stickereien, die als Grundstruktur zur Verstärkung von Aluminiumgussteilen dienen.

Gestickte Batterieheizung

Solche Anwendungen stellt das Stickerei-Unternehmen Gerber aus dem vogtländischen Rebesgrün her – eine von fünf Firmen im Netzwerk „highSTICK“. Sie arbeiten daran, technische Textilien mittels Stick-Technologie herzustellen. Dazu gehören etwa gestickte Heizelemente. Auf einem Trägermaterial aufgebracht, könnten sie in einem Elektro-Auto die Batterieheizung übernehmen.

Das Know-how eines Matrazenherstellers nutzt der Automobil-Zulieferer Johnson Controls im rheinischen Burscheid. Die Technologie der Taschenfederkern-Matratze soll bis 2015 in ein Autositz-Konzept einfließen. Dadurch werden die Sitzflächen kleiner, büßen aber nicht an Komfort ein.

„Zwischen 5 und 20 Prozent werden die Sitze weniger wiegen“, erklärt Ingo Reinbach, Textilingenieur bei Johnson Controls. Autos könnten so kürzer werden.

Für den Flitzer von Jens Fellmeth kommt das nicht infrage. Moderner wird der Rennbolide dennoch. Dafür hat sich der Messebesuch gelohnt: „Wir haben vielversprechende Kontakte geknüpft.“

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Schlagwörter: Textil Forschung

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