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Qualifizierung – das bringt’s!


Die Fachschule für Kunststoff- und Kautschuktechnologie

Gelnhausen. Die jüngste schwere Wirtschaftskrise kam für Jens Müller (26) und Armin Handzin (25) genau richtig. „Wir waren bei einem Automobil-Zulieferer beschäftigt, fühlten uns unterfordert und wollten gern mehr Verantwortung übernehmen“, erzählt Müller.

Als dann 2008 von heute auf morgen die Aufträge wegbrachen, nutzten die beiden die Chance zur Weiterbildung. Ihr Plan: Zwei Jahre Techni-kerschule – und zurück in die Industrie, wenn der nächste Aufschwung kommt.

Arbeitgeberverband hilft nach Kräften

Seit Herbst 2009 besuchen die beiden die Fachschule für Kunststoff- und Kautschuktechnologie in Gelnhausen (Hessen). Sie wurde vor 27 Jahren von den beiden im Main-Kinzig-Kreis ansässigen Unternehmen Veritas AG und Woco GmbH ins Leben gerufen – und hat sich inzwischen als Berufsschule für Auszubildende und als Weiterbildungseinrichtung überregional einen Namen gemacht. „Es ist eine Fachschule mit bundesweitem Ruf“, sagt Volker Schmidt, der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der Deutschen Kautschukindustrie.

Der Verband setzt auf Bildung – und unterstützt die Einrichtung nach Kräften. Kürzlich wurde die Fachschule um ein Prunkstück bereichert: eine 60.000 Euro teure Kunststoff-Blasfolien-Anlage. 40.000 Euro steuerte der Arbeitgeberverband bei, der Rest kam vom Förderverein. „Es ist eine Laborausführung, ideal für Unterrichtszwecke“, freut sich Schulleiter Uwe Hamerich. Damit lassen sich Folien herstellen und in Tests Eigenschaften wie Dicke oder Streckung prüfen.

„Den spannenden Werkstoff erklären“

„Die Zahl unserer Schüler ist auf über 250 kontinuierlich gewachsen, aktuell sind es sogar über 300“, berichtet Hamerich. Dazu gehört auch Andre Liebl (29), der zuvor sechs Jahre im Vierschichtbetrieb arbeitete: „Das Geld stimmte – aber ich sah keine Chance, mich zu verbessern.“

Oder Orhan Sahin (26), der nach der Ausbildung zum Verfahrenstechniker Handys verkaufte, bis ihn der Ehrgeiz packte: „Vielleicht fange ich nach der Technikerschule ein Studium an“, sagt er.

Dank der engen Zusammenarbeit der Einrichtung mit den Betrieben finden so gut wie alle frisch ausgebildeten Techniker eine Anstellung. „Wir richten den Lehrplan sehr stark auf die betrieblichen Anforderungen aus“, sagt Schulleiter Hamerich. Das Berufsbild Techniker definiert er so: „Sie sind so etwas wie die Dolmetscher zwischen Maschine und Facharbeiter.“

Der Schüler Jens Müller drückt das so aus: „Ich möchte mit jungen Leuten zusammenarbeiten und ihnen den spannenden Werkstoff Kautschuk erklären.“

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