Wenn Farben explodieren

Pyrotechnik: Was Silvesterraketen in die Höhe jagt und die bunten Sterne erzeugt

Heidelberg. „Prosit Neujahr“ ohne Feuerwerk? Undenkbar: Mehr als 120 Millionen Euro werden sich die Deutschen dieses Jahr den Sternenregen samt Knallerei kosten lassen. Doch was ist eigentlich drin in so einer Silvesterrakete?

„Eine Treibladung und eine Effektladung, verpackt in einer Papprolle“, erklärt Thomas Fischer, Pyrotechniker und Geschäftsführer von Beisel Pyrotechnik in Heidelberg. „Außerdem braucht man eine Zündschnur und einen Holzstab, der die Flugbahn stabilisiert.“ Das Unternehmen erleuchtet den Himmel seit mehr als 100 Jahren mit Feuerwerken, veranstaltet Pyro-Shows und verkauft das passende Equipment dafür.

Für den Senkrechtstart sorgt eine Treibladung mit Schwarzpulver

Die Treibladung, also der „Raketenmotor“, besteht unter anderem aus Schwarzpulver, einer Mischung aus Kaliumnitrat, Holzkohle und Schwefel. „Beim Verbrennen des dicht verpressten Pulvers entstehen heiße Gase“, so der Experte. „Die drücken durch eine Öffnung der Papprolle, der Düse, nach außen. Das erzeugt einen Rückstoß, die Rakete steigt in den Himmel.“

Die Treibladung ist auch für das schrille Heulen mancher Raketen verantwortlich: In Schichten aufgebaut, brennt sie unterschiedlich schnell ab. Der Ausstoß an heißen Gasen pulsiert, es entstehen Schwingungen, die der Mensch als Pfeifen wahrnimmt.

Für den Feuerschweif beim Aufsteigen sorgen winzige Mengen Magnesium oder Eisenspäne. Sie werden der Treibladung beigemischt und verglühen mit hellen Funken.

Hat die Rakete eine Höhe von 50 bis 100 Metern erreicht, zündet die zweite Stufe: Die Effektladung geht in die Luft, ein Sternenhagel regnet nieder. „Sie besteht zum Beispiel aus Samenkörnern, die in einer Mischmaschine Schicht für Schicht mit einer brennbaren Mischung ummantelt worden sind“, erläutert Fischer. „Darin sind neben brennbaren Substanzen und Oxidationsmitteln auch Metallsalze enthalten.“

Genau diese Metallsalze wie Barium- oder Strontiumcarbonat sorgen für den farbigen Funkenflug: „Bei Temperaturen von mehr als 1.000 Grad explodiert die Ladung, die Metallsalze nehmen die Energie auf und wandeln sie in Strahlung um“, erklärt der Experte.

Jedes chemische Element gibt dabei nur einen Teil des sichtbaren Lichts ab. „Je nach Wellenlängenbereich sehen wir unterschiedliche Farben: Barium leuchtet grün, Strontium rot, Natrium schimmert gelb-orange und Kupfer erzeugt Blautöne.“ Hilfsstoffe beschleunigen oder verlangsamen die Verbrennung: „Insgesamt können bis zu zehn Substanzen in einer Rakete stecken“, sagt Fischer.

Bei der mitternächtlichen Knallerei ist trotz Sektlaune und Silvesterfreude Vorsicht geboten: „Die Feuerwerkskörper sollten auf jeden Fall eine Zulassungsnummer der Bundesanstalt für Materialforschung aufgedruckt haben“, rät der Experte. Und: „Lesen Sie unbedingt die Gebrauchsanleitung, befolgen Sie die Anweisungen und verzichten Sie vor dem Zünden auf Alkohol.“


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