Russland

Putin droht der Wirtschaft

Ein Bild aus besseren Tagen: Putin 2011 bei der Eröffnung eines Gaspipeline-Abschnitts. Foto: Reuters

Moskau/Berlin. Deutsche Unternehmen befürchten aufgrund der Ukraine-Krise Strafmaßnahmen gegen ihre Fabriken und Warenlager in Russland. Sie sind alarmiert, weil Präsident Wladimir Putin ein neues Gesetz plant: Es soll ihn ermächtigen, ausländisches Eigentum zu konfiszieren.

20 Milliarden Euro haben deutsche Firmen investiert

Rund 6.300 deutsche Firmen sind in Russland engagiert, vom Volkswagen-Konzern bis zum mittelständischen Saatgut-Erzeuger KWS. Ungefähr 20 Milliarden Euro haben sie vor Ort investiert. Je stärker sich der Streit zwischen der EU und Russland zuspitzt, desto kritischer wird es für sie. „Viele unserer Mandanten haben Angst vor Russlands Antwort auf die Sanktionen der EU“, sagt der Anwalt einer internationalen Kanzlei in Moskau.

Zwar versucht die deutsche Bundesregierung, Gelassenheit zu verströmen: Man gehe davon aus, dass die finanzpolitischen Folgen der Krise „beherrschbar bleiben“. Doch die Sorge der Unternehmer vor Enteignung oder Stilllegung kann sie so nicht lindern.

Zumal kritische Stimmen vor weiteren Konsequenzen warnen. So befürchtet Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank, dass „der Konflikt eskaliert und wir in eine Spirale gegenseitiger Sanktionen geraten“.

Ein Ausbleiben der Gaslieferungen wird wohl nicht zu den Antworten Moskaus gehören. Nicht mal im Kalten Krieg haben sich die Russen dazu entschlossen, sie sind auf das Geschäft existenziell angewiesen.

Doch Putin kann den Westen etwa mit einem Titan-Embargo ärgern. Schließlich bezieht Airbus 60 Prozent dieses Leichtmetalls für den Flugzeugbau aus Sibirien. Auch Siemens dürfte es nicht kaltlassen, wie der russische Präsident darauf reagiert, dass die EU zum Beispiel Konten seiner Vertrauten sperrt. Der Münchner Konzern ist am Ausbau der russischen Eisenbahn beteiligt.

Auch ganz ohne Störmanöver des Kreml kann es für Firmen schwere Rückschläge geben. Wie beim Handelskonzern Metro: Er will seine klamme Kasse aufbessern, indem er sein Russland-Geschäft für rund 1 Milliarde Euro an die Börse bringt. Analysten bezweifeln jetzt aber, dass es innerhalb der nächsten Monate dazu kommt.

Für die Autobauer steht ebenfalls viel auf dem Spiel. Bisher gingen sie davon aus, dass Russland bis 2020 der größte Automarkt Europas wird. So konnten sich dort BMW und Mercedes 2013 über zweistellige Wachstumsraten freuen. „Wir beobachten die Situation genau“, so Daimler-Chef Dieter Zetsche.

Wie auch viele andere Firmen. Über alle Branchen, heißt es beim Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft, hängen hierzulande rund 300.000 Arbeitsplätze vom Handel mit Russland ab.


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