Gesellschaft

Profis in der Schuldenfalle


"Glitzerwelt" Fußball: Von Trinkern, Zockern und schwarzen Schafen

Rostock. Auf dem Platz war der Mann ein Gott mit wehender Mähne, und sein Spiel war wie Musik. Wenn George Best, nordirischer Fußballprofi in Diensten von Manchester United, seine verzweifelt grätschenden Gegner mit scheinbar schwerelosen Dribblings der Lächerlichkeit preisgab, jubelten die Massen.

Abseits des Rasens aber war’s bei „Besti“ vorbei mit der Herrlichkeit. Best soff wie ein Bürs­tenbinder, und als er, vom Alkohol schon schwer gezeichnet und finanziell total ruiniert, nach dem viel zu späten  Karriere-Ende Mitte der 80er mal gefragt wurde, wo denn all sein Geld geblieben sei, da entgegnete Best: „Das meiste ist für Weiber, Alkohol und schnelle Autos draufgegangen. Den Rest hab ich einfach verprasst.“

Dicke Autos, schöne Villen

Einfach verprasst – der tragische Fall des George Best sollte ja eigentlich Mahnung genug sein für die hoch bezahlten Bundesliga-Balltreter von heute, ihre Kohle beisammenzuhalten. Eigentlich. Viel zu oft aber ist er das nicht.

Im Gegenteil: „Rund ein Drittel aller Fußballprofis ist nach der aktiven Zeit verschuldet“, sagt der Rostocker Vermögensverwalter Christian Daudert. Der Mann kennt die Szene. Gemeinsam mit Bruder Michael hat sich Daudert auf die Vermögensverwaltung von Profifußballern spezialisiert. 35 aktive Spieler und Trainer betreuen die beiden derzeit in Finanzfragen, darunter aktuelle deutsche Nationalspieler wie Thomas Hitzlsperger oder Oliver Neuville.

„Finanziell unabhängig sind nach der Laufbahn gerade einmal 9 Prozent der Ex-Spieler“, sagt Christian Daudert weiter. Und das, obwohl heute nach seiner Einschätzung wohl kein Bundesliga-Spieler weniger als 450.000 Euro im Jahr verdient.

Klamm nach der Karriere – wie kann das sein? Die verdienen Millionen und nach dem Abpfiff ist alles futsch?

„Schuld daran sind oft windige Berater, auch gescheiterte Ehen, vor allem aber ein katas­trophaler Wissensstand der Spieler zum Thema Geld“, sagt Michael Daudert.

Das beginne schon beim eigenen Konto. „Wir haben in zehn Jahren nicht einen Spieler erlebt, der auf Anhieb wusste, wie hoch seine monatlichen Ausgaben sind“, sagt Michael Daudert. „Nicht einmal auf 10.000 Euro genau!“

Stattdessen würden fröhlich dicke Autos gekauft, Urlaub auf den Malediven, gern auch dicke Kredite für schöne Häuser aufgenommen.

„Mit 50.000 Euro im Monat kann man ja auch gut leben“, sagt Christian Daudert. „Aber man muss auch einen Großteil davon auf die hohe Kante legen, wenn man seinen Lebensstandard nach der Karriere halten will.“ Viel zu oft ignorierten gerade junge Spieler die Tatsache, dass sie nur für eher kurze Zeit Spitzenverdiener sind. „Vielleicht dauert die Karriere zehn Jahre, wer da Schulden macht statt Geld anzusparen, fällt auf die Nase“, sagt Daudert.

„Comeback“ im Trash-TV

So wie Eike Immel. Nach dem Ende seiner Karriere 1997 wurde es jäh still um den ehemaligen Nationaltorwart. Bis er dann vor Jahresfrist plötzlich wieder auftauchte: Im RTL-Trash-TV „Dschungelcamp“, gemeinsam mit Ex-Porno-Queen „Gina Wild“ und anderen Gestalten von der Promi-Reste-Rampe. Immel brauchte das TV-Honorar für eine Hüft-OP. Von seinem Vermögen ist nichts mehr übrig – schon während seiner Karriere hatte sich Immel  mit „Bauherrenmodellen“ gehörig verzockt.

Damit steht er beileibe nicht alleine da. Insbesondere in den 80er- und 90er-Jahren fielen rund 100 Profis mit Immobilien-Deals auf die Nase. Unter den Geprellten befand sich auch der damalige Gladbacher Vorzeige-Intellektuelle und jetzige Trainer Ewald Lienen. „Ich bin damals Opfer meiner Naivität in finanziellen Dingen geworden, die mich nie interessierten“, sagt Lienen heute.

Die Gefahr, zwielichtigen „Beratern“ auf den Leim zu gehen, hat sich nach Einschätzung von Michael Daudert seither im Hochglanz-Show-Geschäft „Bundesliga“ noch weiter erhöht: „Was sich heute im direkten Umfeld der Vereine abspielt, ist teilweise kriminell.“

Gäule und Goldbarren

Gezielt würden gerade junge Spieler in einschlägigen Discos angesprochen und mit angeblichen Traumrenditen geködert. Plötzlich hätten die Spieler jede Menge „Freunde“ um sich, alle mit wahnsinnig guten Geschäftsideen, nur – leider, leider – zu wenig Eigenkapital. Das aber habe ja der Spieler ...

So musste Michael Daudert mit viel Mühe einem Spieler ausreden, für 360.000 Euro ein Rennpferd als Rendite-Objekt zu kaufen. „Andere wollten ihr Vermögen vor ein paar Wochen in angeblich in einem Schweizer Straßentunnel einge­mauerte Goldbarren investieren. Was für eine Räuberpis­tole.“

Ein Spielerberater hatte den Profis die Anlage ans Herz gelegt. Als Schutz gegen die Bankenkrise ...

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