Umwelt

Prima Klima für 70 Cent


In die Ökodebatte kehrt eine neue Zuversicht ein

Berlin. Wenn es um den Klimawandel geht, hatten jahrelang die Horror-Szenarien Hochkonjunktur. Drohende Sturmkatastrophen, schmelzende Polkappen, steigende Meeresspiegel! Legendär war das „Spiegel“-Titelblatt von 1986, das den Kölner Dom im Meer versinken ließ.

Doch inzwischen gibt es auch andere Stimmen, erstaunlich nüchterne, frei von allem Alarmismus. Die von Claudia Kemfert zum Beispiel, Professorin für Umweltökonomie an der Berliner Humboldt-Universität und Abteilungsleiterin am renommierten Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Sie behauptet: Effektiver Klimaschutz ist sehr wohl machbar! Und bezahlbar. Genau 70 Cent pro Tag müsse jeder Bundesbürger dafür ausgeben.

Kemferts Rechnung sieht so aus: 850 Millionen Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid bläst Deutschland derzeit pro Jahr zivilisationsbedingt in die Luft, pro Kopf der Bevölkerung also 10,4 Tonnen.

An der Börse für den Emissionshandel kostet eine Tonne Klimagas 25 Euro, jeder Bundesbürger müsse daher im Jahr 259 Euro pro Jahr als „Wiedergutmachung“ zahlen. Pro Tag also 70 Cent.

Und wie soll das ge­hen? „Kaufen Sie regionale Produkte, beziehen Sie Ökostrom, fahren Sie Rad, und kaufen Sie sich ein Elektrofahrzeug“, so die Ökonomin.

Wirtschaftsmotor der Zukunft

Darüber kann man jetzt spötteln. Doch zumindest in der Politik hat Kemferts Wort Gewicht. Die 39-Jährige berät sowohl den EU-Ratspräsidenten José Barroso als auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel und Wirtschaftsminis­ter Michael Glos, zudem zählt sie mittlerweile zu den führenden Klimaschutzberatern der deutschen Wirtschaft. Und auch der macht sie Mut, fordert „Innovation statt Depression“. Die Un­ternehmen müssen jetzt in effizientere Technik investieren, um im eigenen Interesse den Energieverbrauch zu senken und somit Kosten zu sparen.

„Wir werden vom Klimaschutz sogar profitieren können, wenn wir früh genug damit anfangen.“ Statt resignierend  auf das Weltenende zu warten, fordert die Wissenschaftlerin dazu auf, den Klimaschutz als „Wirtschaftsmotor der Zu­kunft“ zu sehen. Kemfert ist optimistisch: „Denn der Umsatz der Klimaschutzbranche wird sich in den kommenden 20 Jahren verdoppeln.“

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