Energie

Premiere auf hoher See


Die deutsche Windkraft-Industrie wagt sich aufs Wasser – das bringt Jobs

Bremerhaven. Wo sich bald gigantische Windräder drehen sollen, ist kein Land in Sicht: Etwa 60 Kilometer sind es bis zur Küste. So weit aufs Meer hinaus hat sich noch niemand gewagt, der Windenergie ernten will. Große Hoffnungen ruhen daher auf dem ersten deutschen Hochsee-Windpark „Alpha Ventus“, dessen Bau gerade begonnen hat.

Die Arbeiten im 30 Meter tiefen Nordsee-Wasser stellen extreme Anforderungen: „Nur wenige Hundert Spezialisten weltweit kommen dafür überhaupt infrage“, heißt es bei Alpha Ventus. Warum aber dieser schwierige Standort? Fern der Küste – „Offshore“ – weht der Wind viel öfter und stärker als auf dem Land. Und es gibt keine Nachbarn, die gegen die Riesen-Rotoren protestieren.

Starthilfe macht Strom teurer

Trotzdem rentiert sich so ein Projekt nur, weil Vater Staat nachhilft. Im Juni hat der Bundestag die Vergütung für Offshore-Energie erhöht: 15 Cent sind nun pro Kilowattstunde garantiert – also weit mehr, als Strom normalerweise kostet.

Finanziert wird das von allen Stromverbrauchern, auch von den Unternehmen. Die müssen schon jetzt „im europäischen Vergleich die dritthöchsten Strompreise“ verkraften – und daher fordert der Bundesverband der Deutschen Industrie ein Auslaufen der Starthilfe: „Erneuerbare Energien müssen wettbewerbsfähig werden und mittelfristig ohne finanzielle Förderung auskommen.“

Dass der politische Rückenwind für Offshore-Anlagen so stark ist, erklärt Jörg Kuhbier so: „Der Ausbau dieser Energie-Umwandlung schützt unser bedrohtes Klima, fördert den technologischen Fortschritt, sichert und schafft Arbeitsplätze und erschließt neue Exportmärkte.“ Kuhbier führt die „Stiftung der deutschen Wirtschaft für die Nutzung und Erforschung der Windenergie auf See“, die seit 2005 die Rechte am Pilotgebiet hält.

Noch dieses Jahr könnte der erste Strom von Alpha Ventus  an Land fließen. 2009 sollen dann alle zwölf Anlagen stehen: Windräder der Fünf-Megawatt-Klasse, so hoch wie der Kölner Dom. Auf „mindestens 20 Betriebsjahre“ hoffen die Planer. Wobei erst noch bewiesen werden muss, dass die Mega-Windmühlen den salzigen Wellen und heftigen Stürmen auf die Dauer Paroli bieten können. Von einem „Testfeld“ ist daher vorsichtig die Rede.

Dabei müssen sich die Beteiligten nicht verstecken: die Stromversorger Eon,  EWE und Vattenfall etwa, die das Projekt gemeinsam tragen, oder die Windrad-Lieferanten Repower und Multibrid.

Diese beiden Firmen haben für ihre Hochsee-Anlagen jeweils eine neue Fabrik gebaut – beide in Bremerhaven. Kein Zufall, so Bremens Wirtschaftssenator Ralf Nagel: „Bremerhaven ist eine der besten europäischen Adressen in Sachen Offshore-Windenergie.“

21 Windparks sind schon genehmigt

Das soll der Küstenstadt nun etliche neue Jobs bringen – es geht ja nicht nur um Alpha Ventus: Allein in der deutschen 200-Meilen-Zone sind mehr als 50 Projekte geplant. „Genehmigt sind davon 21 Windparks mit insgesamt 1.257 Anlagen“, bestätigt das zuständige Bundesamt für Seeschifffahrt.

Das Thema interessiert nun auch Finanzinvestoren. Im Juli stieg Blackstone in das Projekt „Meerwind“ ein. 80 Anlagen sollen gebaut werden – für mehr als 1 Milliarde Euro.

Und so wagt der Bundesverband Windenergie eine Prognose: „In Nord- und Ostsee können bis 2020 rund 10.000 Megawatt Kapazität installiert werden.“ Die könnten „mindestens 35 Milliarden Kilowattstunden im Jahr“ bringen – das wäre gut ein Zwanzigstel unseres Stromverbrauchs.

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