Ökostrom statt Kernkraft

Präsident der Bundesnetzagentur erklärt, woher in Bayern künftig der Strom kommen soll

München. Die Energiewende treibt die Chemie-Industrie um: Wie steht es um die Versorgungssicherheit, wenn bis zum Jahr 2022 alle Atomkraftwerke vom Netz gehen? „Das ist eine große Gefahr für unseren Standort“, warnt Günter von Au, Vorsitzender der Bayerischen Chemieverbände. Über diese Sorge sprach er jetzt mit Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur auf der jüngsten Mitgliederversammlung.

Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sieht von Au die wirtschaftliche Basis der Branche ernsthaft bedroht. Auch würden damit die gesteckten Ziele Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz nicht erreicht. Ganz im Gegenteil: „Die Strompreise steigen und steigen“, monierte er. Dabei könne „das Monster EEG“ gar nichts gegen die CO2-Emissionen ausrichten: „Die Werte bleiben auf europäischer Ebene konstant.“

Zudem gäbe es noch keine Lösung, wie der Ausfall von 50 Prozent Atomstrom in Bayern in Zukunft kompensiert werden soll.

Aktuell bezieht das flächenmäßig größte Bundesland rund die Hälfte seines Stroms aus den vier Atommeilern Grafenrheinfeld, Gundremmingen B und C sowie Isar 2. In acht Jahren sollen 80 Prozent der Energie Wind- und Solaranlagen liefern.

„Die Energiewende ist ein enormer Strukturwandel“, räumt Behördenchef Homann ein. Natürlich benötige man zusätzlich konventionelle Kraftwerke oder Speichermedien, die es heute noch nicht gibt. Nachdrücklich stellte er aber klar: „Ein Zurück ist nicht geplant.“

Laut Homann zeigt ein Blick auf den deutschen Kraftwerkspark, dass bundesweit „ausreichende Erzeugungskapazitäten“ vorhanden seien, es gäbe sogar einen Überschuss. Kopfzerbrechen bereitet ihm jedoch die Verteilung: „Im Süden und Südwesten sind die Erzeugungskapazitäten knapp, im Norden dagegen mehr als reichlich.“

„Die Netzengpässe müssen weg“

Seine Forderung: „Die Netzengpässe müssen weg.“ Das Problem will er durch den Bau zusätzlicher Stromtrassen lösen, wie zum Beispiel die Thüringer Strombrücke oder die umstrittene Gleichstromleitung, die Bayern an die Windparks in der Nord- und Ostsee anschließen soll. Die Versorgungssicherheit sei dann „auf jeden Fall gewährleistet“.

Hier aber ist Verbandschef von Au skeptisch: Selbst wenn Strom fließt, würden bereits „Ausfälle für wenige Millisekunden“ sowie Spannungs- oder Frequenzschwankungen zu Produktionsausfällen und hohen Kosten führen. Laut Homann müssen die Unternehmen dieses Problem selbst regeln. Dem Wunsch der bayerischen Regierung nach einem Reservekraftwerk („Staatskraftwerk“) erteilte er eine Absage: „Man muss kein neues Kraftwerk bauen!“

Fakten

Was ist Versorgungssicherheit?

  • Die Zuverlässigkeit der Stromversorgung bemisst sich am Stromausfall: Wie lange hatten die Kunden im Jahresmittel keinen Strom?
  • Gezählt werden Ausfälle ab drei Minuten. In Deutschland waren das 2011 rund 16 Minuten. Zum Vergleich: In Österreich waren es 28 Minuten, in Frankreich 63 Minuten und in Portugal sogar 173 Minuten.

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