Immobilien

Platzt da was?


Anzeichen für eine Spekulationsblase sind nicht in Sicht

Köln. Jeder zweite Bürger „rechnet infolge des deutschen Immobilien-Booms mit dem Platzen einer Spekulationsblase“. Das hat gerade die Karlsruher Beratungsfirma Coinor auf Basis einer Umfrage berichtet. Klar: In vielen Städten sind die Preise gestiegen, Meldungen wie „Mieten erreichen in Frankfurt Rekordniveau“ häufen sich. Aber muss man Angst haben, dass da was platzt? Dass der Kater nach dem Betongoldrausch die ganze Wirtschaft in die Knie zwingt – wie es in den USA und in Spanien passiert ist?

Professor Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) winkt ab. Grundbesitz sei angesichts der niedrigen Zinsen einerseits eine interessantere Anlageform – und andererseits leichter finanzierbar. Höhere Preise seien eine normale Folge und dürften nicht mit spekulativer Überhitzung verwechselt werden: „Eine Blase entsteht, wenn sich Preise weit von den Fundamentalwerten wie etwa der Einkommensentwicklung entfernen – das ist bei uns nicht der Fall.“

„Innerstädtische Lagen sind sehr gefragt“

Warnende Anzeichen könnten Häuserpreise sein, die viel schneller als die Mieten steigen, oder eine extrem zunehmende Kredit-Vergabe. „Beides ist hier nicht zu erkennen“, so Voigtländer. Er verweist auch auf unser solides Finanzierungssystem: Bauherren müssen Eigenkapital mitbringen, Zinsen sind lange festgeschrieben. „Das trägt dazu bei, die Nachfrage nicht künstlich anzuheizen.“

Der Index des Verbands deutscher Pfandbriefbanken zeichnet ein ruhiges Bild: Von 2003 bis 2011 sind selbst genutzte Immobilien im Schnitt 10 Prozent teurer geworden. Die Inflation insgesamt lag aber bei 14 Prozent, der Tariflohn eines Metallers stieg um 19 Prozent!

„Keine Anzeichen für eine Blase“ sieht man auch beim Arbeitskreis der amtlichen Gutachterausschüsse. Der hat im April seinen Marktbericht präsentiert. Mit Blick auf 2009 und 2010 heißt es: „Ein bundesweit signifikanter Trend zur Preissteigerung kann nicht festgestellt werden, die Preisentwicklungen sind jedoch regional sehr unterschiedlich.“

„Innerstädtische Lagen sind sehr gefragt“, erklärt IW-Ökonom Voigtländer. „Ob Dresden oder Paderborn: Die Städte ziehen Menschen aus dem Umland ab.“ Das liege zum Beispiel an der alternden Gesellschaft („jüngere Senioren wollen lieber zentraler leben“) und an den hohen Spritpreisen, die weites Pendeln unattraktiv machen. „Es ist teilweise schon schwer, ein Eigenheim auf dem Land zu verkaufen – in den Großstädten dagegen bleiben die Preise und die Mieten hoch.“

Auch Berlin wird langsam ein teures Pflaster: „Der deutsche Markt war lange sehr ruhig, aber jetzt nähern sich unsere Metropolen dem internationalen Niveau an.“

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Normalerweise ist er die größte Anschaffung des Lebens: der Kauf einer eigenen Immobilie. Es gilt also, sich vor dem Gang zum Notar so gut wie nur irgend möglich zu informieren – sowohl, was das Objekt selbst und seine Lage betrifft, als auch über die Baufinanzierung.

aktualisiert am 27.09.2017

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