Die Welt verlangt nach Kunststoff

Plastik-Produktion klettert auf 300 Millionen Tonnen jährlich

Ludwigshafen. Der Stoff, aus dem die Träume sind, heißt – Plastik! Längst bietet der vielseitige Werkstoff Klassikern wie Wolle, Holz, Glas, Stein oder Metall Paroli. Und befeuert die Wirtschaft: In Ludwigshafen entsteht eine neue Kunststofffabrik für 1 Milliarde Euro. Es ist das größte Projekt in der Geschichte des Chemie-Riesen BASF.

Dieses Jahr soll die Anlage starten und pro Jahr rund 300.000 Tonnen Rohstoff (Toluylendiisocyanat, kurz TDI) produzieren. Der ist begehrt als Schaum für Sitzpolster oder Matratzen. Bayer MaterialScience eröffnete kürzlich ebenfalls eine neue TDI-Fabrik in Dormagen. Doch nicht nur Weichschaum ist auf dem Vormarsch.

Aktuell werden weltweit etwa 300 Millionen Tonnen Kunststoff aller Art pro Jahr hergestellt, davon 60 Millionen Tonnen in Europa. Das sind Rekordwerte, und ein Ende ist nicht in Sicht: „Kunststoff ist eine Erfolgsstory“, sagt Rüdiger Baunemann, Hauptgeschäftsführer beim Kunststofferzeugerverband PlasticsEurope. „Die Produktion von Kunststoff wächst seit 50 Jahren kontinuierlich.“ Zwar kommen die neuesten Zahlen der Kunststoff erzeugenden Industrie erst im Mai heraus. Doch eine aktuelle Trendumfrage im Kunststoff- und Gummimaschinenbau zeigt, dass die Hersteller für dieses Jahr mit einer Umsatzsteigerung von 4 Prozent weltweit rechnen.

Kunststoff ist wandelbar von hart bis zäh, biegsam oder weich. Er steckt in Verpackungen, Textilfasern, Wärmedämmungen, Klebern oder Kosmetika. Die deutsche Industrie, Europas größter Hersteller und Verarbeiter, erzielte im letzten Jahr einen Rekord: Der Umsatz stieg um 2,6 Prozent auf 59 Milliarden Euro, die Zahl der Mitarbeiter ebenfalls um 2,6 Prozent auf 311.000, so der Gesamtverband kunststoffverarbeitende Industrie in Bad Homburg. Wachstumstreiber sind neue Anwendungsgebiete und der Ersatz anderer Materialien. Dazu drei Beispiele:

  • Massenware. Der industriell am häufigsten hergestellte Kunststoff ist Polyethylen (HDPE). Das feste Material steckt in Verpackungen, Flaschen, Haushaltswaren, technischen Teilen und Bauprodukten. Der weltweite Umsatz lag 2014 bei 58 Milliarden Euro: „Wir erwarten ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 4,2 Prozent pro Jahr“, sagt Oliver Kutsch, Chef des Marktforschungsinstituts Ceresana in Konstanz. Die Zielmarke liege bei 81 Milliarden Euro im Jahr 2022.
  • Medizintechnik. Herzklappen, Kontaktlinsen, Prothesen: Für medizinische Kunststoffe soll das Wachstum 5,6 Prozent pro Jahr betragen, meinen Marktforscher des amerikanischen Instituts Grand View Research in San Francisco. Bis 2020 könnte der Markt auf einen Wert von gut 13 Milliarden Euro steigen.
  • Bio-Kunststoffe. Die Alternative zu Standardkunststoffen ist biologisch abbaubares Material, das man etwa für Müllbeutel oder Lebensmittel-Verpackungen verwendet. Viele Firmen setzen heute auf Nachhaltigkeit: Der globale Verbrauch wird um 18,9 Prozent jährlich steigen, schätzen die Experten von Ceresana. Sie erwarten 2021 einen weltweiten Umsatz von 5,4 Milliarden Euro – mehr als dreimal so viel wie heute.

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