Pharmaproduktion

„Pille“ bringt Arbeit


Der Bayer-Schering-Standort Bergkamen brummt

Sie bringen keine zusätzlichen Pfunde, sind niedrig dosiert und seit einigen Jahren der Renner unter den Anti-Baby-Pillen: die oralen Verhütungsmittel der „YAZ“-Familie von Bayer Schering Pharma. Mehr als 1 Milliarde Euro setzte der Konzern damit im vergangenen Jahr weltweit um, 31 Prozent mehr als 2006. Im ersten Halbjahr war es schon wieder fast ein Drittel mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Am Standort Bergkamen freut man sich darüber besonders. Denn hier, am Nordrand des Ruhrgebiets, stellt das Pharma-Unternehmen die Wirkstoffe für seine Verhütungsmittel her. Da bringt jedes Umsatzplus mehr Arbeit. Auch, wenn in den Reaktionskesseln meist nur weiße Pulver entstehen, die die Kollegen in Berlin oder Weimar dann zu Tabletten, Dragees oder Ampullen weiterverarbeiten.

„Wir erleben seit einiger Zeit eine wachsende Auslastung“, sagt Werkleiter Franz-Josef Renneke. „Der Bedarf an Wirkstoffen zeigt auch für die kommenden Jahre eine erfreuliche Tendenz.“ Dem Standort bringt das den ersehnten Aufschwung. In den letzten zwölf Monaten stieg die Zahl der Beschäftigten auf derzeit knapp 1.500 Mitarbeiter. Nun reichen die in letzter Zeit erzielten Verfahrens-Verbesserungen allein nicht mehr aus – es wird zusätzlich investiert.

„Die Stimmung ist wieder gut“

„Wir stoßen an die Grenzen unserer Kapazitäten“, analysiert der Bergkamener Werkleiter. Und zwar sowohl bei den Hormon-Wirkstoffen für die „Pillen“ als auch bei Wirkstoffen für Kontrastmittel (für Röntgen sowie Kernspintomographie). Die Bergkamener stellen beides her.

„Es geht wieder aufwärts“, freut sich auch Betriebsratsvorsitzender Heinz Georg Webers. „Die Stimmung ist gut“, stellt er fest. Das war vor kurzem noch nicht so.

Der Standort hat schwierige Jahre hinter sich, nachdem 2003 wichtige Aufträge von Drittfirmen wegbrachen. Wettbewerber aus China lockten die Kunden mit Niedrig-Preisen. Die Folge: Man musste sich von vielen, auch von fest angestellten Mitarbeitern trennen.

Das wurde zur Initialzündung. „Gemeinsam setzten wir nun alles daran, um uns auf allen Gebieten zu verbessern, insbesondere, um Kosten zu senken“, berichtet Renneke. „Denn beim Herstellen von Wirkstoffen herrscht ein ähnlicher Preisdruck wie auch sonst in der Industrie.“ Belegschaft und Betriebsrat zogen mit.

Teams checkten Prozesse genau durch

Die Bergkamener setzen auf die Six-Sigma-Methode. Teams checken Prozesse haarklein durch, nehmen Messreihen auf, werten sie aus und suchen so mit Hilfe der Statistik nach Ansatzpunkten für Verbesserungen.

Mit Erfolg. „Beim Rückgewinnen eines Lösemittels sparten wir so zum Beispiel eine sechsstellige Summe ein“, berichtet Webers. Bei einem mehrstufigen Prozess legte man für jeden Schritt einen Reaktionsbehälter fest. „Weil das Umrüsten entfällt, können wir schneller arbeiten und mehr Wirkstoff herstellen“, erklärt Renneke.

„Auf diese Weise haben wir an ganz vielen Schräubchen gedreht“, fasst Webers zusammen. Die Kosten sanken insgesamt um 30 Prozent. Und weil die Qualität aus Bergkamen stimmt, kehrten manche Kunden von Drittfirmen inzwischen zurück. Werkleiter Renneke: „Heute müssen wir keinen Vergleich mehr scheuen.“

Info: Der Standort Bergkamen

1959 kaufte der Berliner Pharma-Hersteller Schering AG das Werk in Bergkamen. Heute ist es der größte von fünf Standorten der Bayer Schering Pharma zur Produktion von Pharma-Wirkstoffen. Fast 1.500 Beschäftigte stellen hier Wirkstoffe für Verhütungs- und Kontrastmittel her.

Mit ihnen macht der Konzern 3 von 14,8 Milliarden Euro Pharma-Umsatz. Der Standort ist der größte Arbeitgeber in der früheren Bergarbeiterstadt (55.000 Einwohner).

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