Höhere Ansprüche seit 2017

Pflegerente: So bekommen betreuende Angehörige Pluspunkte für die eigene Altersversorgung

Oft müssen Menschen, die zu Hause einen Pflegebedürftigen betreuen, beruflich kürzertreten oder den Beruf sogar ganz aufgeben. Das muss aber nicht zulasten der eigenen Alterssicherung gehen – die Pflegekasse hilft seit 2017 mehr denn je.

Foto: Fotolia

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Berlin. Ein behindertes Kind, ein schwerkranker Partner oder die alten Eltern – die meisten Pflegebedürftigen werden von Angehörigen zu Hause versorgt. Wer deshalb nur Teilzeit arbeitet oder seinen Beruf sogar ganz aufgibt, bekommt für seine Pflegetätigkeit unter bestimmten Bedingungen später eine gesetzliche Rente. Gut zu wissen: „Dabei handelt es sich nicht um eine freiwillige Leistung, sondern es besteht gesetzliche Rentenversicherungspflicht“, sagt Dirk Manthey von der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Mit der Umstellung auf die neuen Pflegegrade zum 1. Januar 2017 sind auch die Voraussetzungen für die Pflegerente deutlich verbessert worden. „Durch die Reform steigen die Rentenansprüche in vielen Fällen spürbar an, und mehr Pflegende haben erstmals überhaupt Ansprüche auf Leistungen der Rentenversicherung“, so der Experte.

Die Beiträge für die Pflegerente übernimmt die Pflegekasse, der Versicherte zahlt also nicht selbst ein. Da es sich um eine gesetzliche Leistung handelt, muss man auch keinen Antrag stellen, sondern die Rentenversicherung wird automatisch von der Pflegekasse informiert. „Pflegende Angehörige müssen lediglich einen Fragebogen ausfüllen“, erläutert Manthey. Er trägt den offiziellen Titel „Fragebogen zur Zahlung der Beiträge zur sozialen Sicherung für nicht erwerbsmäßig tätige Pflegepersonen“ und man kann ihn bei der Kranken- beziehungsweise Pflegekasse anfordern und oft auch von der Website der Kasse herunterladen.

Die Voraussetzungen

Nicht jeder, der sich um einen Angehörigen kümmert, bekommt dafür auch gleich Rentenpunkte. Die folgenden Bedingungen müssen erfüllt sein:


Ehrenamtliche Pflege

Grundsätzlich gibt es die Pflegerente nur, wenn man ehrenamtlich pflegt. „Dabei spielt es in der Regel keine Rolle, ob man von dem Pflegebedürftigen eine finanzielle Anerkennung wie beispielsweise das Pflegegeld ausgezahlt bekommt oder nicht“, so Manthey. Gehört die Pflege dagegen zum Job, gibt’s keine zusätzlichen Rentenpunkte. Dann ist man schließlich schon über den Arbeitgeber rentenversichert.

Häusliche Pflege

Rentenansprüche können nur entstehen, wenn man den Hilfsbedürftigen zu Hause pflegt, nicht jedoch, wenn er in einem Heim lebt. Aber: Lebt der Pflegebedürftige teils im Heim, teils zu Hause, wird beispielsweise ein behindertes Kind jedes Wochenende zu Hause versorgt, kann es Rentenpunkte geben.

Pflegegrad

Der Pflegebedürftige muss Anspruch auf Leistungen aus der Pflegeversicherung haben, und zwar mindestens Pflegegrad 2 oder höher. Bei Pflegegrad 1 entstehen also keine Rentenansprüche.

Empfehlenswert ist es, den Antrag auf Pflegeleistungen möglichst frühzeitig zu stellen, also sobald erkennbar ist, dass der Hilfsbedürftige voraussichtlich einen Pflegegrad bekommen wird. „Leistungen aus der Pflegeversicherung und damit auch die Rentenansprüche für pflegende Angehörige gibt es normalerweise frühestens ab dem Antragsmonat. Sie können in der Regel nicht rückwirkend geltend gemacht werden“, erläutert Manthey.

Zeitaufwand

Rentenpunkte gibt es nur, wenn man sich an mindestens zwei Tagen pro Woche insgesamt mindestens zehn Stunden um den Hilfsbedürftigen kümmert. „Versorgt jemand mehrere Pflegebedürftige, werden die Zeiten für die Pflege zusammengerechnet“, so Manthey. Benötigen also zum Beispiel sowohl der Vater als auch die Mutter jeweils fünf Stunden Hilfe pro Woche, sind damit die zehn Mindeststunden erreicht.

Teilen sich mehrere Personen die Pflege, kommt es auf die Aufteilung der Arbeit an. Kümmert sich beispielsweise die Mutter 15 Stunden um ihr behindertes Kind mit einem Pflegebedarf von insgesamt 20 Stunden, der Vater dagegen nur 5 Stunden, dann hat nur die Mutter Anspruch auf zusätzliche Rentenpunkte, der Vater dagegen nicht. Pflegen jedoch beide zehn Stunden pro Woche, können auch beide dadurch Rentenansprüche erwerben.

Berufstätigkeit

Natürlich darf man auch neben der Pflege weiter berufstätig sein. Allerdings gibt es dabei eine Höchstgrenze von 30 Stunden pro Woche. „Wer mehr Wochenstunden erwerbstätig ist, erwirbt durch die Pflege keine zusätzlichen Rentenansprüche“, so Manthey. Schließlich ist das Ganze als Ausgleich dafür gedacht, dass man wegen der Pflege nicht mehr voll arbeiten kann und deshalb im Alter weniger Rente bekommt.

Übrigens: Wer das reguläre Rentenalter schon erreicht hat und eine volle Altersrente erhält, bekommt für die Pflege keine zusätzlichen Rentenpunkte gutgeschrieben, Frührentner jedoch schon.

So viel Geld gibt es

Die Höhe der Rentenansprüche hängt zum einen vom Hilfsbedarf des Pflegebedürftigen ab. Je höher der Pflegegrad, desto mehr Rente wird später gezahlt. Zum anderen berechnet sich der Anspruch danach, ob man die Pflege komplett selbst stemmt (Bezug von Pflegegeld), oder ob man die Leistungen der Pflegekasse vollständig für einen Pflegedienst verwendet (Sachleistungen) oder ob man beides kombiniert (Kombinationsleistungen). Dabei gilt: Je mehr Pflege selbst geleistet wird, desto höher der Rentenanspruch. In jedem Fall muss man aber natürlich mindestens zehn Stunden pro Woche pflegen.

Derzeit bekommt man beim höchsten Pflegegrad 5 für Vollzeitpflege 29,30 Euro zusätzliche Rente pro Monat. Das entspricht ungefähr dem Rentenanspruch eines Durchschnittsverdieners. „Die Rentenansprüche aus der Pflege werden wie alle anderen Rentenansprüche regelmäßig an die Einkommensentwicklung angepasst“, so Manthey. Nach Berechnungen der Deutschen Rentenversicherung bringt ein Jahr Pflege derzeit folgende Zusatzrenten:

Rente West/Monat Rente Ost/Monat
Pflegegrad 2
Sachleistungen 5,54 € 5,22 €
Kombinationsleistungen 6,72 € 6,33 €
Pflegegeld 7,91 € 7,45 €
Pflegegrad 3
Sachleistungen 8,82 € 8,31 €
Kombinationsleistungen 10,71 € 10,09 €
Pflegegeld 12,60 € 11,87 €
Pflegegrad 4
Sachleistungen 14,36 € 13,52 €
Kombinationsleistungen 17,43 € 16,42 €
Pflegegeld 20,51 € 19,32 €
Pflegegrad 5
Sachleistungen 20,51 € 19,32 €
Kombinationsleistungen 24,91 € 23,46 €
Pflegegeld 29,30 € 27,60 €

Stand: 2017, Quelle: Deutsche Rentenversicherung Bund

Lesebeispiel: Ein Westdeutscher, der einen Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 4 ein Jahr lang vollständig selbst pflegt, bekommt dafür eine monatliche Zusatzrente von 20,51 Euro, ein Ostdeutscher 19,32 Euro. Hat der Hilfsbedürftige dagegen nur Pflegegrad 2, gibt es lediglich 7,91 Euro (West) bzw. 7,45 Euro (Ost) Extra-Rente.

Tipp: Es gibt eine lesenswerte umfangreiche Infobroschüre der Deutschen Rentenversicherung zum Thema. Sie trägt den Titel „Rente für Pflegepersonen: Ihr Einsatz lohnt sich“, und ist kostenlos erhältlich. Allerdings wird sie derzeit überarbeitet und ist erst demnächst wieder verfügbar.

Mehr zum Thema:

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