Pläne belasten Arbeitsmarkt

Pflegereform von Gesundheitsminister Hermann Gröhe treibt Lohnnebenkosten hoch

Immer mehr Menschen brauchen im Alter Hilfe. Foto: Fotolia

Berlin. Kranken- und Arbeitslosen-, Renten- und Pflegeversicherung: An diese Lohnnebenkosten beim Blick auf die Lohnabrechnung ist jeder gewöhnt. Rente und Pflege jedoch kommen Arbeitnehmer und Arbeitgeber bald teurer zu stehen.

Die „Rente mit 63“ und die „Mütterrente“ lassen ab 2019 den Beitragssatz der Rentenversicherung von jetzt 18,7 auf 19,1 Prozent steigen.

Schon vorher treibt die Pflegereform, die demnächst im Bundestag verabschiedet werden soll, die Lohnnebenkosten hoch. In zwei Schritten steigt der Beitragssatz um 0,5 Prozentpunkte auf 2,55 Prozent ab dem Jahr 2017.

Das klinge nicht nach viel, sagt Steffen Roth vom Institut für Wirtschaftspolitik der Universität Köln. „Aber das ist eine Erhöhung des Pflegebeitrags um satte 25 Prozent in nur zwei Jahren. Das ist ein kräftiger Schluck aus der Pulle!“

Pläne belasten den Arbeitsmarkt

Damit will Gesundheitsminister Hermann Gröhe jährlich 6 Milliarden Euro mehr in die Pflegekassen spülen – für die vom Minister geplante Radikalreform, die vor allem Demenzkranken helfen soll. Die Zahl der Pflegebedürftigen, die Leistungen erhalten, wird um eine halbe Million auf 3,1 Millionen steigen. Aus drei Pflegestufen sollen fünf werden; dadurch will der Minister der individuellen Hilfsbedürftigkeit der Betroffenen besser gerecht werden.

So nötig das sei, sagt Roth, es steigere die Arbeitskosten und mache die Verlagerung von Produktion ins Ausland attraktiver. Hinzu kommt: Schon jetzt ist abzusehen, dass sich der Beitragssatz auch wegen der wachsenden Zahl pflegebedürftiger Menschen bis zum Jahr 2040 verdoppeln wird.

Um den Anstieg der Kosten in Schach zu halten, plädiert der Volkswirt für eine private, kapitalgedeckte Zusatzversicherung. „Die schließt im Alter die Lücke zwischen Pflegekosten und dem, was die Kasse zahlt“, erklärt Roth.

Die meisten Menschen könnten das finanzieren. Wer unterhalb einer bestimmten Einkommensgrenze liegt, solle aus Steuermitteln unterstützt werden.


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