Für Schmerzbehandlungen, Hormonersatztherapien und mehr

Pflaster statt Pille: Wie Arzneimittel über die Haut direkt in die Blutbahn gelangen

Einfach aufkleben: Viele Wirkstoffe muss man nicht zwingend schlucken. Foto: Werk

Andernach. Das Nikotinpflaster kennt jeder: Es ist das wohl bekannteste wirkstoffhaltige Pflaster. Vor gut 20 Jahren eroberte es den Markt. „Seitdem hat sich viel getan“, betont Hanshermann Franke. Er leitet die Forschung und Entwicklung bei LTS Lohmann in Andernach, Weltmarktführer bei der Herstellung von Transdermalen Therapeutischen Systemen.

„Heute kennen wir mehr als 20 Substanzen, die über die Haut wirken“, so der Experte. Sie kommen bei Schmerzbehandlungen und Hormonersatztherapien zum Einsatz; sie lindern Migräne und die Symptome von Parkinson und Alzheimer. 1,8 Milliarden solcher transdermalen Pflaster werden weltweit jährlich verkauft, so das Marktforschungsinstitut IMS Health.

Aus dem Pflaster gelangt die Arznei über die Haut chemisch unverändert direkt in den Blutkreislauf – und erreicht ihr Ziel im Körper. „Tabletten oder Kapseln hingegen müssen immer den Weg über den Magen-Darm-Trakt nehmen, weshalb oft nur ein Teil des Wirkstoffs tatsächlich ankommt“, sagt Franke. Das Pflaster gibt den Wirkstoff konstant und von allein über längere Zeit ab.

Das Problem: Größere Wirkstoffmoleküle scheitern an der Hornhaut, der äußeren Hautschicht. Forscher der LTS-Tochter IIS Innovative Injektions-Systeme in Andernach haben deshalb ein neuartiges Mikronadelsystem entwickelt, das wie ein Pflaster aussieht.

„Der Wirkstoff wird mithilfe mikroskopisch kleiner Nadeln in die Haut abgegeben“, sagt Heiko Spilgies, Leiter der pharmazeutischen Entwicklung. Diese sind so winzig, dass sie die Nerven nicht erreichen und nicht wehtun. Kaum kommen sie in Kontakt mit der Haut, geben sie den Wirkstoff ab. Erfolg versprechende klinische Studien laufen schon.


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