Infrastruktur

Pausenfüller im Energiekonzept


Köln. Das Ziel ist ambitioniert: Von derzeit 20 Prozent auf 50 Prozent im Jahr 2030 will die Bundesregierung den Anteil der erneuerbaren Energien an der deutschen Strom-Erzeugung erhöhen. Doch mit mehr Windrädern und Sonnendächern allein ist es nicht getan: Wenn die Energiewende nicht zu Blackouts führen soll, darin sind sich Fachleute einig, muss Deutschland zugleich viel Geld in neue, flexible Gaskraftwerke stecken – die die Versorgung sichern, wenn Wind und Sonne mal Pause machen.

„Es ist eher unwahrscheinlich, dass diese Reserve-Kraftwerke ihre Investitionskosten verdienen können“, sagt Professor Felix Höffler, Direktor am Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln (EWI). Ohne finanzielle Anreize für ihren Bau werde es schwer, private Investoren zu finden, prognostiziert er.

Dass aber die Investitionen dringend nötig sind, hat das EWI in einer Untersuchung für das Wirtschaftsministerium berechnet. Bis 2030 müssen demnach Reserve-Gaskraftwerke mit einer Leistung von 39 Gigawatt neu gebaut werden, falls Deutschland seine Stromversorgung allein garantieren will. Das entspricht der Leistung von 30 Atommeilern.

Nur für den Fall der Fälle

Zwar könnte man das Problem auch mit Strom-Speichern lösen – etwa Stauseen, wo Wasser raufgepumpt und bei Bedarf wieder runtergelassen wird. Doch da die auf absehbare Zeit nicht ausreichend zur Verfügung stehen dürften, gelten die modernen Anlagen mit Gasturbinen als ideale Reserve. Entscheidender Vorteil etwa zu Kohlekraftwerken: Sie können bei Bedarf in Minuten hochgefahren werden.

Das Problem: Dieser Fall tritt nur sehr selten ein. Für das gesamte Jahr 2030 prognostiziert das EWI den Reserve-Gaskraftwerken im Schnitt nur so viel Strom-Nachfrage, wie sie bei voller Auslastung in 136 Stunden erzeugen könnten. Das sind nicht mal sechs Tage im Jahr – viel zu wenig, um sie auch nur annähernd kostendeckend zu betreiben.

Das EWI empfiehlt deshalb, über eine mögliche Neuerung nachzudenken: sogenannte Kapazitätsmärkte. Betreiber von Reserve-Kraftwerken bekommen ihr Geld dann nicht mehr nur für den erzeugten Strom. „Sie werden auch dafür vergütet, Kapazitäten bereitzuhalten“, erklärt Höffler.

Was das heißt, ist klar: Strom würde noch teurer. Schon heute finanziert der deutsche Stromverbraucher mit jährlich 14 Milliarden Euro den Betrieb von Windrädern und Photovoltaik-Anlagen. Überdies ist ein zweistelliger Milliardenbetrag für zusätzliche Leitungen nötig – um Strom aus dem windreichen Norden in den energiehungrigen Süden zu transportieren.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang