Tipp der Woche

Omas Häuschen richtig (ver)erben

Achtung: Bewertung von Immobilien wird geändert

Sie haben ein Eigenheim? Sofort an die Kinder verschenken – das spart Steuern! So rauschte es im Blätterwald, als das Verfassungsgericht die Regeln für die Erbschaftsteuer gekippt hatte. In den meisten Fällen ist dieser Tipp aber völliger Unfug. „Die Aufregung ist viel zu groß“, betont Norbert Gieseler, Vizepräsident der „Deutschen Anwalts-, Notar- und Steuerberatervereinigung für Erb- und Familienrecht“. Gieseler stellt klar: „Bei Omas Häuschen besteht kein akuter Handlungsbedarf.“

Schon heute gelten hohe Freibeträge

Fest steht: Jede Immobilie  wird im Erbfall künftig mit einem höheren Wert versteuert werden müssen als bisher – in etwa mit dem Marktpreis. Fest steht aber auch, dass der Gesetzgeber dafür die Freibeträge anheben darf. Tatsächlich wollen Union und SPD dafür sorgen, dass im Regelfall ein Eigenheim auch künftig steuerfrei vererbt werden kann.

Aber nehmen wir einmal an,  es würde bei den heutigen Freibeträgen bleiben (und das ist wohl der schlechteste denkbare Fall): Dann dürfte auch künftig jedes Kind „nur“ 205.000 Euro steuerfrei erben – und zwar von der Mutter wie vom Vater! Ein Einzelkind könnte also in zwei Etappen eine Immobilie im Verkehrswert von 410.000 Euro übernehmen, ohne dass der Fiskus zuschlägt. Bei zwei gleich bedachten Kindern dürfte das steuerfrei zu vererbende Vermögen schon 820.000 Euro wert sein.

Damit aber die Kinder ihren Freibetrag tatsächlich zwei Mal nutzen können, muss eines beachtet werden: „Ehepaare sollten die selbst bewohnte Immobilie hälftig besitzen“, rät Fachmann Gieseler. So ist auch das klassische „Berliner Testament“, in dem sich Ehepartner  gegenseitig als Erben einsetzen,  nicht mehr erste Wahl: Denn damit werden die Freibeträge  für Kinder beim Tod des ersten Partners verschenkt.

Allerdings: Wo es um teurere oder um mehrere Immobilien geht, sollte man eventuell das noch geltende alte Recht mit seinen günstigeren Wertansätzen ausnutzen. „Die Übertragung des Vermögens kann auch durch eine Schenkung zu Lebzeiten geschehen“, betont die Bundesnotarkammer.

Keine Schenkung ohne achlichen Rat

Die Schenkung einer Immobilie dürfe aber „nie ausschließlich von der Steuer abhängig gemacht werden“: Eine gründliche Beratung sei in jedem Einzelfall nötig.

 

www.erbrecht-anwaelte.com

www.deutsches-forum-fuer-erbrecht.de

 

 


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