Innovationen am Start

Olympia & Co.: Wie die Chemie sportliche Großveranstaltungen ermöglicht

Rio de Janeiro. Höher, schneller, weiter: Wir spüren den Herzschlag der Athleten, die bei den Olympischen Spielen am Zuckerhut um die Medaillen kämpfen (bis 21. August). Doch das größte Sportevent der Welt wäre ohne die Forschung großer Chemie-Unternehmen heute nahezu undenkbar: Ihre Innovationen stecken in Stadien, Sportgeräten und Kleidung.

Die Stadien

In der Arena da Juventude in Rio fiebern die Zuschauer mit den Basketballern und Fechtern. Gut, wenn dann die Belüftung stimmt: An der Fassade sorgen 1.800 Quadratmeter PVC-beschichtete Polyestermembranen für frische Luft. Das Material ist atmungsaktiv, windbeständig und lässt Licht durch – innen ist es auch ohne Fenster hell.

Einer der größten PVC-Hersteller weltweit ist übrigens Vestolit im nordrhein-westfälischen Marl.

Der Brandschutz

Obwohl die Stahlskelette der Großbauten selbst nicht Feuer fangen, verlieren die Metallstützen ab einer Temperatur von 500 Grad Celsius ihre Festigkeit, Einsturz droht. Doch Produkte des Chemiekonzers Wacker bei München machen die Konstruktion hitzefest.

Die Zutaten stecken in Mixturen, die sich wie Farblacke auftragen lassen: „Bei Feuer bläht sich die Beschichtung auf das 10- bis 100-Fache ihrer ursprünglichen Dicke auf, sodass sich um den Stahlträger ein isolierendes Schaumkleid bildet“, erklärt Wacker-Polymerspezialist Markus Busold.

Die Rennbahn

Der schnellste Mann der Welt, Usain Bolt, trainiert auf einer elastischen Sportbahn. Die kommt vom Schaumstoffwerk (BSW) aus dem westfälischen Bad Berleburg – ebenso wie die Trainingsanlagen für die brasilianischen Spitzenathleten in São Paulo. Der selbst entwickelte Kunststoff (Regupol) besitzt sehr gute sportphysikalische Eigenschaften und lässt sich bunt einfärben. Laut Bolt hilft das Material besonders beim Sprint-Training: „Die verbesserten Leistungen jedes einzelnen Athleten zeigen das!“

Die Sportschuhe

Welche Sohlen verleihen Flügel? Das erforscht Sportprofi Adidas zusammen mit dem Chemieriesen BASF aus Ludwigshafen. Aus dessen Labor stammen Kunststoffe, die Energie an die Läufer zurückgeben.

Das geht so: 2.500 Kügelchen aus aufgeschäumtem Granulat (Thermopolyurethan) stecken in einer Zwischensohle. Die darin eingeschlossenen Luftzellen pressen sich beim Laufen zusammen, poppen wieder auf und verleihen dem Sportler dabei einen Schub.

Die neuesten Modelle kommen übrigens bald aus einem 3-D-Drucker beim Kunststoff-Spezialisten Oechsler im bayerischen Ansbach.

Das Trikot

Hauteng, atmungsaktiv und gut für die Muskeln: Auch das Outfit soll zum Sieg beitragen. So sitzt etwa eine Wäsche mit Kompressionsfunktion wie eine zweite Haut. Sie enthält elastische Bänder, umhüllt mit einer Beschichtung auf Basis eines Polyurethanwerkstoffs, zum Beispiel Impranil von Covestro aus Leverkusen. Das Material ermöglicht den Wettkämpfern eine verbesserte Körperhaltung und schützt sie vor früher Ermüdung.

Der Trick dabei: Dehnen sich die Bänder beim sportlichen Einsatz, speichern sie kurzzeitig Energie. Die geben sie den Athleten im weiteren Bewegungsablauf wieder zurück. Das fördert Stärke und Ausdauer.


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