Sichere Stromversorgung braucht schlaue Netze

Ohne „Smart Grids“ wird die Energiewende nicht klappen

Berlin. In Deutschland fließt immer mehr Öko-Strom. Schon heute liefern die Erneuerbaren im Jahresschnitt 26 Prozent des erzeugten Stroms. Aber sie liefern derzeit eben nur, solange der Wind weht und die Sonne scheint: Starke Stromspeicher werden helfen, dieses Problem zu lösen. Sie sind ein wichtiger Baustein im Stromnetz der Zukunft – das ziemlich schlau sein wird.


 

An diesem „Smart Grid“ arbeiten Energieversorger, Wissenschaftler und Industrie-Unternehmen in verschiedenen Pilot-Projekten. Doch was bedeutet „intelligentes Stromnetz“ eigentlich?

Alle Akteure sind darin so vernetzt, dass Angebot und Nachfrage stets optimal aufeinander abgestimmt werden. Ein Rückblick hilft, zu verstehen, warum das so wichtig für die Energiewende ist.

Die Vergangenheit

Früher floss Strom nur in eine Richtung, vom klassischen Kraftwerk über Hochspannungsleitungen und Verteilernetze zu den Verbrauchern. Damals setzte man noch vor allem auf Kohle und Kernkraft.

Die Gegenwart

Durch den Boom der Erneuerbaren gibt es jetzt „Gegenverkehr“ in den Stromtrassen. Zum Beispiel, weil immer mehr Eigenheimbesitzer mit ihren Solaranlagen zum Stromanbieter werden. Um die Stromversorgung zu stabilisieren und Spannungsschwankungen auszugleichen, müssen die Netzbetreiber immer öfter eingreifen.

Die Zukunft

„Fächendeckender Einsatz kann Milliarden einsparen.“ Professor Jochen Kreusel, Energie-Experte bei ABB. Foto: ABB
„Fächendeckender Einsatz kann Milliarden einsparen.“ Professor Jochen Kreusel, Energie-Experte bei ABB. Foto: ABB

2050 sollen die Ökostrom-Produzenten laut Energiewende-Konzept der Bundesregierung 80 Prozent des Bedarfs decken. „Um das zu schaffen, muss mehr Intelligenz ins Netz“, betont Professor Jochen Kreusel, Leiter des Konzernprogramms Smart Grids beim Elektrounternehmen ABB in Mannheim. Das schlaue Netz der Zukunft sorgt dafür, dass Millionen dezentraler Stromerzeugungsanlagen mit den Energieverbrauchern so abgestimmt werden, dass Angebot und Nachfrage jederzeit zueinander passen. Überflüssige Energie wird in Speichern „geparkt“, beispielsweise den Batterien von Elektro-Autos.

Damit das intelligente Netz funktioniert, braucht man allerdings auch neuartige Zähler („Smart Meter“). Auf Dauer könnten diese sogar den Verbrauch im Haushalt managen – und so helfen, Geld zu sparen: Günstigere Strompreise zu Zeiten besonders hohen Angebots kommen dann auch privaten Kunden zugute. Damit so etwas vom Verbraucher akzeptiert wird, muss natürlich ganz besonders auf Datensicherheit geachtet werden.

Das intelligente System hat einen weiteren kostensenkenden Effekt, sagt Kreusel: „Ein flächendeckender Einsatz von Smart-Grid-Lösungen kann den Netzausbau ergänzen und so Milliarden einsparen.“ Weil Einspeisespitzen vermieden werden könnten, müsste man vor allem die lokalen Verteilernetze weniger stark ausbauen.

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