Wohlstand

Ohne Industrie geht es nicht!


Jetzt zeigt sich: Die „Service-Welt“ ist unrealistisch

Frankfurt. Das tut weh: Rund 9.000 Vollzeit-Stellen sollen durch die jetzt vereinbarte Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank eingespart werden. Davon bis zu 4.700 in „Mainhattan“, dem Finanzviertel von Frankfurt am Main. Wenn selbst die glitzernen Banken-Türme ins Wanken geraten, so fragen sich viele, wer sorgt in Zukunft noch für Arbeit und Wohlstand in Deutschland?

Die Antwort gab am Tag nach dieser Knaller-Meldung Hessens Wirtschaftsminister Alois Riehl – auf einer Veranstaltung der „Initiative Industrieplatz Hessen“. Ohne einen „dynamischen industriellen Kern“, so Riehl, „gibt es keinen erfolgreichen Dienstleistungssektor“. Die Industrie-Unternehmen seien „ungleich stabiler aufgestellt als früher“. Und hätten „maßgeblich dazu beigetragen, dass zum Beispiel in unserem Bundesland die Arbeitslosigkeit im August erstmals seit acht Jahren unter die Marke von 200.000 gefallen ist“.

Amtliche Statistik führt in die Irre

Das sind bemerkenswerte Sätze – auch über Hessen hinaus. Es ist das Flächenland mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen Deutschlands. In der Vergangenheit redeten hier Politiker, die etwas über die Zukunft der Wirtschaft sagen wollten, am liebsten über den „Finanzplatz Frankfurt“ – der sich mit seinen 234 niedergelassenen Banken im Internet auf der schicken Homepage www.finanzplatz-frankfurt.de präsentiert. Um dieses Bild zu ergänzen, schaltete der Minister nun demonstrativ die formal identisch gestaltete Seite www.industrieplatz-hessen.de frei. Sie bietet fundierten Überblick über Branchenprofile, Industrieparks, Technologiezentren und Fördermöglichkeiten.

Industrie ist alles andere als ein Auslaufmodell – das ist die Botschaft der Initiative Industrieplatz Hessen, die von bislang 21 Unternehmern, dem Wirtschaftsminister und dem Unternehmer-Dachverband vhu getragen wird. Dabei beruft sie sich auf Forscher-Wissen: Das echte Gewicht der Industrie wird „in der amtlichen Statistik nicht abgebildet“, heißt es in einer großen Hessen-Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Erklärung: „Viele der vormals von der Industrie selbst erbrachten Leistungen sind ausgelagert worden und werden nun dem Dienstleistungssektor zugerechnet.“

Wenn man diesen Liefer-Verbund betrachtet, erweist sich das so oft beklagte Schrumpfen der Industrie seit 1993 als optische Täuschung. „Seit 2000 ist sogar ein leichtes Wachstum festzustellen“, so das IW. Es hat sich in den letzten beiden Jahren noch beschleunigt.

„Technikfeindliche Grundhaltung“

Professor Dieter Weidemann, der Präsident der vhu, fasst diesen Befund so zusammen: „Das Märchen von der Dienstleistungsgesellschaft ohne Industrie war und ist falsch. Aber es hat bei vielen Menschen zu einer industrie- und technikfeindlichen Grundhaltung beigetragen, die wir korrigieren wollen.“

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