Motor der Wirtschaft

Ohne die Metall- und Elektro-Industrie wäre in Baden-Württemberg wenig los


Stuttgart/Mannheim. Viel Anerkennung und sicher auch ein wenig Neid ist dabei, wenn Menschen aus anderen Regionen auf Baden-Württemberg blicken. Hier ist die Wirtschaftsleistung um 12 Prozent höher als im Bundesdurchschnitt und die Arbeitslosigkeit besonders niedrig. Motor der Wirtschaft ist die Metall- und Elektro-Industrie. Und das sind die Gründe für ihren Erfolg:

Größe. Der Südwesten stellt mehr als ein Viertel aller bundesweit in dieser Branche Beschäftigten, rund 900.000. Seit dem Ende der Wirtschafts- und Finanzkrise im Frühjahr 2010 sind allein in diesem Bundesland 58 400 neue Arbeitsplätze dazugekommen.

Exportstärke. Die Ausfuhren Baden-Württembergs sind gigantisch – sie machen etwa ein Sechstel des gesamtdeutschen Exports aus. Den Löwenanteil stellen Kraftwagen und -teile sowie Maschinen (zusammen mehr als 40 Prozent). Etwa 400 hiesige Unternehmen sind Weltmarktführer, hat der Münchner Professor Bernd Venohr herausgefunden Und: „80 Prozent von ihnen gehören zur Metall- und Elektro-Industrie.“

Spezialisierung. Ob Martinshörner, Endoskope, Zylinderkopfdichtungen oder Bohrfutter: „Typisch für die Unternehmen ist ihre Konzentration auf Marktnischen“, sagt Christian Rammer vom Zen­trum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim. „Diese Strategie in Verbindung mit starker Kundenorientierung macht die Branche so innovativ“, erklärt der Projektleiter Industrieökonomik.

Ideenreichtum. Aus Baden-Württemberg gehen pro Kopf etwa fünfmal so viele Anmeldungen beim Europäischen Patentamt ein wie im Durchschnitt aller EU-Länder. Die zehn größten Patent-anmelder im Ländle sind Betriebe der Metall- und Elektro-Industrie. „Um auf internationalen Märkten zu bestehen“, sagt Ökonom Rammer, „müssen Unternehmen ihre Produkte laufend anpassen und schneller sein als die anderen.“

Flexibilität. Die Betriebe sind geübt darin, auf Konjunkturschwankungen zu reagieren. Denn diese spürt die Branche relativ stark – „aber von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich“, betont Experte Rammer. Beispiel: Während die Produktion bei den Druckmaschinen-Herstellern 2012 um 15 Prozent einbrach, hat sie bei den Herstellern von Holzbearbeitungsmaschinen um 12 Prozent zugelegt. „Die Unternehmen kennen ihre jeweiligen Konjunkturzyklen“, sagt Rammer, „und sind es gewohnt, sich rechtzeitig Polster zu schaffen.“ Flexible Arbeitszeitmodelle seien sehr wichtig.

Grips und Erfahrung. Nirgends in Europa ist der Anteil derer, die in forschungsintensiven Indus-triezweigen arbeiten, so groß wie hier: 17 Prozent. Forscher Rammer sieht Wissen und Erfahrung der Beschäftigten als entscheidend dafür an, dass sich die Branche gegen Billigkonkurrenz und Nachahmer behaupten werde. „Eine Druckmaschine beispielsweise besteht aus bis zu 100.000 Einzelteilen“, sagt er. So eine Anlage könne man „nicht einfach so“ zusammenbauen – „dafür braucht ein Unternehmen jahrzehntelange Erfahrung“.

Hintergrund

Typisch „made in Baden-Württemberg“

Diese vier Produkte, die Sie in der folgenden Bildergalerie sehen, zählen zu den vielen Exportschlagern aus dem Südwesten. Ihre Hersteller gehören zur gleichen Branche – doch ihr jeweiliges Marktumfeld und ihre Krisenanfälligkeit sind höchst unterschiedlich. 

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