Leitartikel

Offen für das Fremde

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Mit dem nüchternen Pragmatismus eines mittelständischen Fabrikanten reagiert die Wirtschaft auf den größten Flüchtlingsandrang seit Generationen. Motto: Wir können nicht die Welt retten – aber wir können bei uns vor Ort das tun, was jetzt zu tun ist.

Deshalb nehmen Betriebe Asylbewerber als potenzielle Auszubildende und Arbeitskräfte auf den Schirm. Und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände macht sich mit ihrem ganzen politischen Gewicht in Berlin dafür stark, die gesetzlichen Hürden für eine Arbeitsaufnahme möglichst schnell und gründlich wegzuräumen. Sogar ein abgelehnter Asylantrag soll nicht unbedingt Grund sein, das Land zu verlassen: Besser ist, wenn der Zugewanderte bei uns beruflich seinen Weg macht.

Für manchen ist das starker Tobak. Insgesamt reagiert Deutschland verstört und alarmiert auf die Einwanderer, starrt auf große Zahlen, auf Bilder von überfüllten Zügen und Notquartieren. Dass da Menschen mit Talenten kommen, mit offensichtlichem Vorwärtsstreben, mit unbändiger Offenheit für das Fremde – das wäre eben die andere, positive Sichtweise.

Die Betriebe wollen Flüchtlingen auch deshalb eine Chance geben, weil sie sich davon Vorteile versprechen. Ja und? Die Botschaft „Wir brauchen euch“ ist für die Betroffenen noch hilfreicher als die humanitäre Anteilnahme, die ihnen viele Deutsche auf „Flüchtlingsfesten“ überall im Land entgegenbringen.

Wer die Sprache lernt, einen Job findet, das Notquartier hinter sich lässt, der ist nicht mehr Teil eines Problems. Sondern Konsument, Steuerzahler, Ideengeber, Teil unserer Zukunft. Das jedenfalls ist der unaufgeregte Ansatz der Wirtschaft.


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