Energie

Öl-Reserven riesig wie nie

Warum der Preis trotzdem so gestiegen ist

Hamburg. Fast 14 Milliarden Liter Rohöl schluckt die Weltwirtschaft in diesem Winter – Tag für Tag! Und die Nachfrage wird 2008 kräftig weiter steigen, warnt die Internationale Energie-Agentur in ihrem aktuellen Monatsbericht. Aber: „Die Förderung liegt seit Juni unter dem Niveau des Vorjahres.“

Der hohe Ölpreis, der Anfang September erstmals die 80-Dollar-Marke geknackt hat – ist er ein Vorbote dafür, dass das schwarze Gold zur Neige geht?

Keine Panik. Den jüngsten Förderrückgang erklärt die Energie-Agentur mit „Hurrikan-bedingten Stillständen in Mexiko, Wartungsarbeiten in der Nordsee und Exportausfällen im Irak“.

Preistreibend wirkte auch, dass der größte Ölverbraucher USA kurz vor der Heizperiode unerwartet niedrige Lagerbestände meldete. Doch die weltweiten Reserven, also die noch gar nicht aus der Erde geholten Ölvorkommen, sind keineswegs knapp geworden. Ganz im Gegenteil.

Rein rechnerisch genug bis 2050

Auf 179 Milliarden Tonnen beziffern Experten die rentabel zu fördernden Reserven. „Das ist der höchste Stand aller Zeiten“, betont Alexander Fack vom Hamburger Iwo-Institut, einer Einrichtung der deutschen Mineralölwirtschaft. „Zum Vergleich: Im Jahr 2000 waren es nur 140 Milliarden Tonnen.“

Angesichts des aktuellen Verbrauchs heißt das: Rein rechnerisch geht uns erst in 42 Jahren das Öl aus, das wäre im Jahr 2050. Die Frist wird umso kürzer, je schneller die Schwellenländer aufholen: Noch braucht der Durchschnitts-Chinese nicht mal ein Zehntel so viel Öl wie ein US-Bürger. Experten rechnen daher mit weiter steigenden Rohöl-Notierungen.

Andererseits trägt gerade der hohe Preis dazu bei, dass immer neue Vorkommen als rentabel eingestuft werden. Iwo-Experte Fack: „Zu den 179 Milliarden Tonnen ,Reserven’ kommen fast doppelt so viele ,Ressourcen’, die zurzeit nicht wirtschaftlich gefördert werden können.“

Der Euro hilft dem Verbraucher

Für den Verbraucher sieht der Preis-Effekt anders aus: Er muss für Sprit und Heizöl tiefer in die Tasche greifen – oder Energie sparen. Trost bietet ausgerechnet der oft gescholtene Euro: Auch er ist auf Rekordjagd, gut 15 Prozent mehr Dollar wert als Anfang 2006 – und entsprechend mehr Öl. Das wird nämlich weltweit in Dollar abgerechnet.


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Schlagwörter: Energie Umwelt

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