Iran-Krise

Öl-Nachschub ist garantiert


Strategisch wichtig: Ein Fünftel der Ölproduktion erreicht den Weltmarkt durch die Straße von Hormus. Foto: apply

Reserven der Verbraucherstaaten reichen 145 Tage

Frankfurt. Wenn sich der Konflikt des Westens mit dem Iran weiter verschärft, kann es kurzfristig Engpässe bei der Ölversorgung geben.

„Sollte Teheran tatsächlich die Schifffahrtsstraße von Hormus mit Kriegsschiffen blockieren, dann wären rund 20 Prozent der weltweiten Ölproduktion vom Markt abgeschnitten“, erklärt Carsten Fritsch, Rohstoff-Analyst der Commerzbank.

Dazu könnte es kommen, falls Amerika oder Israel – als militärische Antwort auf das Atomprogramm – Luftangriffe auf den Iran fliegen. Seit dem Beschluss der EU und der USA, ab Juli den Kauf iranischen Öls zu verbieten, ist der wichtigste Marktpreis (für das 159-Liter-Fass der Marke Brent) um 10 Dollar auf rund 115 Dollar gestiegen. Branchenkenner Fritsch geht im Gespräch mit AKTIV davon aus, dass der Preis trotz der jüngsten Eskalation im Jahresdurchschnitt 2012 nur moderat weiter anzieht: „Eine Blockade der Schiffspassage würde der Iran nur wenige Tage aufrechterhalten können.“

Produktion ist höher als die Nachfrage

Anschließend könnten die Golfstaaten ihre Fördermengen steigern und so den Ausfall iranischer Lieferungen ausgleichen. Bereits jetzt würden die in der Opec organisierten Ölstaaten mehr produzieren als nachgefragt wird.

Stabilisierend auf den Preis wirken auch die Ölreserven, die in den Verbraucherstaaten seit den Ölkrisen der 70er-Jahre bereitgehalten werden müssen. „Diese Vorräte reichen, um etwa 145 Tage der Netto-Importe zu überbrücken“, sagt Fritsch. Somit ist der Nachschub gesichert.

Einen Grund gibt es allerdings auch dafür, dass der Ölpreis in Zukunft ein wenig anziehen wird: die gesellschaftlichen Umwälzungen in der arabischen Welt. „Um ein Übergreifen der Proteste auf Saudi-Arabien zu verhindern, hat die Regierung die Sozialausgaben, Staatsgehälter und Pensionen deutlich erhöht“, erklärt der Experte. Bei der Preis-Kalkulation würde sie diese Kosten zugrunde legen. Und auch die Investitionen zur Erschließung neuer Ölfelder.

Fritsch: „Einer Modellrechnung des Beratungsunternehmens Pira zufolge würde ein jährliches Ausgabenwachstum von 8 Prozent den von Saudi-Arabien benötigten Ölpreis bis 2016 auf 120 Dollar je Barrel steigen lassen.“

Info: Straße von Hormus

Nur 55 Kilometer breit ist die Verbindung des Persischen Golfs im Westen mit dem Golf von Oman, dem Arabischen Meer und dem Indischen Ozean im Osten.

Durch dieses Nadelöhr müssen alle Tanker fahren, die Japan, die USA oder Westeuropa mit Öl aus den Golfstaaten beliefern.

 

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