Energiewende

Öko-Strom um jeden Preis


Wind und Sonne sind jetzt gefragt. Aber sie werden falsch gefördert

Köln. Die Regierung reißt das Ruder herum: Unter dem Eindruck der Reaktor-Katastrophe in Japan wird der Ausstieg aus der Atomkraft beschleunigt, der Ausbau der Ökostrom-Erzeugung dagegen verstärkt. Das machte Kanzlerin Angela Merkel jetzt auf dem „Energiegipfel“ klar. Im Blitzverfahren, schon bis Mitte Juni, sollen die Gesetze beschlossen sein.

Für den benötigten zusätzlichen Strom aus Wind, Biogas, Sonne und Wasser, darüber waren sich die Gipfel-Teilnehmer einig, muss man jetzt „riesige Investitionen“ anschieben. Doch Experten kritisieren: Die bisherige Förderung ist wenig intelligent.

Viele ungeeignete Standorte

Der Ausbau des grünen Stroms wird über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gesteuert. Die Netzbetreiber müssen den Ökostrom zu einem relativ hohen Preis abnehmen – und dürfen die Mehrkosten auf alle Kunden umlegen: 37 Milliarden Euro im vergangenen Jahrzehnt, allein 8,2 Milliarden im vergangenen Jahr. „Das Subventionsvolumen wird in den nächsten Jahren weiter stark steigen“, prophezeit Hubertus Bardt, Energie-Experte am Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Er sagt: „Da muss ein Deckel drauf.“

Der Wissenschaftler Bardt ist überzeugt: Der Ausbau des Ökostroms lässt sich auch mit weniger Geld erreichen. Bis-her wird für jede Energieform, beispielsweise Windräder an Land, eine einheitliche „Einspeisevergütung“ garantiert – sodass sich die Investoren von modernen Windrädern an windreichen Standorten leicht eine goldene Nase verdienen konnten. Die staatliche Abnahmegarantie zum Festpreis lieferte eine gute Rendite bei geringem Risiko. Die lukrativen Windräder wurden auch an offensichtlich ungeeigneten Standorten installiert, ein Grund für die fehlende Akzeptanz bei vielen Bürgern.

„Eine Alternative“, erklärt IW-Forscher Bardt, „besteht in der Einführung eines Quotensystems.“ Statt feste Abnahmepreise vorzugeben, sollte der Staat lediglich verlangen, dass die Netzbetreiber einen bestimmten Anteil des Strom-Angebots aus erneuerbaren Energien speist.

Mit diesem System, wie es in der EU bereits von Belgien, Großbritannien, Italien, Polen, Rumänien und Schweden praktiziert wird, könnte man die erneuerbaren Energien intelligenter fördern: Weil ein Netzbetreiber frei entscheiden kann, auf welche Weise er die Quote erfüllt, wird er den Ökostrom im eigenen Interesse möglichst billig einkaufen – also den effizientesten Techniken an den günstigsten Standorten den Vorzug geben.

„Es geht ein Viertel billiger“

Experte Bardt ist überzeugt: „Im Vergleich zum aktuellen Fördersystem könnte ein auf europäischer Ebene harmonisiertes, technologieneutrales Quotensystem die Kosten der EU-weiten Förderung bei gleichen Ausbauzielen um rund ein Viertel reduzieren.“

Im Wettbewerb setzt sich die billigste Methode durch, Strom aus erneuerbaren Energien zu produzieren. Die Investitionen landen am richtigen Platz. Der Strom wird für alle billiger.

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