„Konkurrenten aus Asien holen bei Know-how, Innovationen und Wissen auf“

Ob Patente oder Investitionen: Der Standort D verliert an Boden

Berlin/Köln. Die deutsche Metall- und Elektro-Industrie (M+E) kann sich im internationalen Wettbewerb bisher gut behaupten. Aber der Kampf wird härter – und der Standort D verliert schleichend an Boden. Das zeigen aktuelle Studien auf.

Da ist zum Beispiel der „M+E-Strukturbericht“, der unter anderem eine bedenkliche Entwicklung bei neuen Ideen belegt. „Viele Konkurrenten insbesondere aus Asien holen bei Know-how, Innovationen und Wissen auf: Bei den Patenten hat die deutsche M+E-Industrie deutlich an Marktanteilen verloren.“ Das hat das Kölner Beratungsunternehmen IW Consult ermittelt.

Demnach kamen im Jahr 2000 stolze 20,5 Prozent aller weltweiten Patentanmeldungen im M+E-Bereich aus Deutschland. Seitdem hat sich der deutsche Anteil aber fast halbiert – 2013 lag er bei nur noch 12,4 Prozent.

Zulegen konnten dagegen vor allem China, Japan und Südkorea: „Verstärkt ab 2004 hat sich eine deutliche globale Kräfteverschiebung ergeben“, heißt es. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall, Auftraggeber der Studie, nennt diesen Trend „bedrohlich – weil Patentzahlen und Exporterfolg nachweisbar zusammenhängen“. Um gegenzusteuern, sollte die Regierung endlich eine bessere steuerliche Förderung der betrieblichen Forschung auf den Weg bringen.

Ein weiterer zentraler Befund des Strukturberichts: „Die deutsche M+E-Industrie investiert immer stärker im Ausland.“ Das ist etwa an den sogenannten Direktinvestitionen erkennbar; der so gemessene Zuwachs an Werken und Anlagen jenseits der Grenzen betrug „von 2004 bis 2012 rund 76 Prozent, während der inländische Kapitalstock nur um 16 Prozent gewachsen ist“.

Dass bei den Investitionen die Musik eher woanders spielt, zeigen auch zwei Studien der IW Consult über wichtige M+E-Bundesländer. So sind zum Beispiel die Fabriken und Anlagen der bayerischen Industrie (nach Abzug von Verschleiß und Inflation) etwas weniger wert als 1995! Vor allem, weil Produktionshallen veralten. Damit ist „ein schleichender Rückgang der Produktionsmöglichkeiten“ im Freistaat zu beobachten. Und das sei „heikel“, stellt IW-Consult-Ökonom Thorsten Lang fest: „Aufbau im Ausland ersetzt Erweiterungen im Inland. Es wäre okay, wenn es nur darum ginge, Märkte zu erschließen – aber das zentrale Motiv sind die Kosten.“

In Baden-Württemberg sieht es ganz ähnlich aus. „Seit Jahren wird zu wenig in neue Fabriken oder in die Ausweitung der Produktion investiert“, erklärt Lang mit Blick auf die gesamte baden-württembergische Industrie. In heimische Standorte fließe zusätzliches Geld fast nur noch zur Einführung neuer Technologien oder zur Erhöhung der Produktivität.

Daran dürfte sich vorerst wohl nichts ändern. Darauf deutet eine Firmenumfrage des Arbeitgeberverbands Südwestmetall hin. Demnach gilt inzwischen auch für Mittelständler: „Wachstum findet fast ausschließlich an den Produktionsstätten im Ausland statt, wo ein immer größerer Anteil der Investitionen getätigt und ein immer höherer Anteil der Gewinne erzielt wird.“ Als Gründe für ihre Zurückhaltung hierzulande nennen die Betriebe „die stark gestiegenen Arbeitskosten und Belastungen durch falsche politische Weichenstellungen“.


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Eine aktuelle Studie zeigt: Bayerns Firmen investieren derzeit vor allem im Ausland. Die heimischen Standorte vernachlässigen sie. Der Grund dafür sind vor allem die hohen Kosten. Aber das muss nicht so bleiben.

Eine Expertenkommission schlägt Alarm: „Die Investitionen deutscher Unternehmen im Inland sind zu gering, um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.“ Aber gegen diese Investitionsschwäche ließe sich durchaus was tun.

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