Arbeitsplätze

Nur so kriegen wir die Kurve


Entscheidend ist jetzt Flexibilität für die Betriebe

Nürnberg. Die gute Nachricht vorweg: Auch im Februar starteten mehr als 200.000 Arbeitslose in einen neuen Job – angesichts der kalten Jahreszeit kein schlechter Wert (siehe Grafik).

„Arbeitslosigkeit ist kein fester Block, es gibt viel Bewegung“, betont die Bundesagentur für Arbeit. Trotz der Absatzkrise in vielen Betrieben habe es Ende 2008 fast 1,1 Millionen offene Stellen gegeben. Insgesamt hätten sich im Februar sogar 702.000 Menschen aus Ar­beits­lo­sig­keit abgemeldet – etwa  weil  sie  eine  Lehrstelle, ei­nen Rentenbescheid oder an­derweitige Pläne hatten.

Dennoch sind es insgesamt keine guten Zahlen, die uns die Bundesagentur dieser Ta­ge präsentiert. Die Arbeitslosigkeit steigt. Be­troffen wa­ren im Februar zu 96 Prozent Männer – weil sie in der von der Krise besonders stark er­fassten Export-Industrie weit in der Überzahl sind.

Zwar stieg die Arbeitslosigkeit bislang nur moderat: Saisonbereinigt, ab­gesehen von der üblichen Winter-Flaute in den Außenberufen, er­höhte sie sich seit Oktober um 138.000,  zuvor war sie um 1,84 Millionen gefallen. Aber Sorge macht der An­stieg bei der konjunkturbedingten Kurzarbeit.

Im Februar reichten bundesweit 16.900 Be­triebe für insgesamt 700.000 Be­schäftigte ei­ne entsprechende Anzeige ein. Diese Pflichtmitteilung wird vorsorglich erstellt, für bis zu 18 Monate im Voraus. Wie viele tat­sächlich kurzarbeiten und in welchem Um­fang, weiß die Behörde erst später.

Aktuelles Beispiel: Im De­zember gab es 296.000 neue Anzeigen, 201.000 Kurzarbeiter – und der Stundenausfall entsprach dem Volumen von 66.000 Vollzeitjobs.

„Von Missbrauch kann keine Rede sein“

Für die Industrie kommt es nun entscheidend darauf an, dass sie die Flexibilität der Tarifverträge nutzen und vor Ort Notlösungen zimmern kann. „Die Sozialpartner müssen jetzt ge­meinsam hinter den Betrieben stehen“, be­tont Martin Kannegiesser, Arbeitgeberpräsident der größten Branche Metall und Elektro (M+E). „Ihre Stärkung und ihr Fortbestand stehen im Mittelpunkt.“

So möchten laut einer Blitz­umfrage der bayerischen M+E-Industrie 57 Prozent der Betriebe von der Möglichkeit Gebrauch machen, nach Ab­sprache mit dem Betriebsrat eine für Mai anstehende Lohnerhöhung um 2,1 Prozent (im Schnitt 77 Euro brutto im Monat) auf Dezember 2009 zu verschieben.

Zugleich schlie­ßen 36 Prozent dies definitiv aus. „Das beweist, dass die Betriebe sehr verantwortungsvoll mit den Möglichkeiten des Tarifvertrags um­gehen“, urteilt Bert­ram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der bayerischen M+E-Arbeitgeberverbände. „Von Missbrauch kann keine Rede sein.“

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