Wirtschaft

Nullwachstum für die Chemie-Branche


Die Weltwirtschaft macht den Firmen zu schaffen

Frankfurt. Das hört sich erst einmal gut an: 2013 soll es mit der Chemie wieder aufwärts gehen, die Produktion um 2 bis 3 Prozent wachsen. Das hofft Utz Tillmann, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) in Frankfurt. Doch der Weg zum Ziel ist schwer. Vorerst ist dem Aufschwung in Deutschland die Puste ausgegangen.

Die Abschwächung der Weltwirtschaft lässt den Motor der deutschen Chemiekonjunktur stottern. Die Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen sank zuletzt, die Unternehmen drosselten ihre Produktion: „Der erhoffte Schlussspurt zum Jahresende 2011 blieb aus“, so Tillmann.

2009 war die Chemie-Produktion eingebrochen, 2010 hatte sie sich kräftig erholt. 2011 wuchs sie zwar im Jahresmittel noch moderat, aber nur wegen des hohen Niveaus am Jahresanfang: Danach ist sie Quartal für Quartal immer weiter zurückgegangen.

Jetzt erholt sie sich langsam wieder. Der VCI sieht für 2012 trotzdem eine „Wachstumspause“. Das erwartete Nullwachstum korrigiert damit frühere Hoffnungen, bei der Produktion wenigstens um 1 Prozent zulegen zu können.

Der Umsatz wird der aktuellen Prognose zufolge nur um 1 Prozent auf 186 Milliarden Euro steigen. Bislang hatte der Verband 2 Prozent erwartet.

Rezession trifft wichtige Kunden

Woran liegt’s? „Für die meisten Länder der Europäischen Union wird mit einer Rezession gerechnet“, erklärt Finanzanalyst Lars Hettche, Chemie-Spezialist bei Deutschlands ältester Privatbank Metzler in Darmstadt. Das spüre auch die deutsche Chemie-Industrie: „Die Rezession trifft einige ihrer wichtigsten Kunden“, so der Experte. Darunter die Branchen Bau, Elektronik und die Hersteller kleinerer Automobile. Die Kunden klagen seit dem letzten Sommer über schwächere Geschäfte. Hettche: „Die Tendenz dürfte sich mit Blick auf die Verfassung der europäischen Märkte 2012 fortsetzen.“

Den Gegenwind bemerken die Unternehmen bereits. Wie der Chemie-Riese BASF aus Ludwigshafen. Vorstandschef Kurt Bock berichtet: „Kunden disponieren vorsichtiger, reduzieren ihre Vorräte und verzögern Bestellungen in Erwartung einer nachlassenden Konjunktur und möglicher Preissenkungen.“

„Weit niedrigere Gewinne“

Bank-Experte Hettche geht davon aus, dass „ein Großteil“ der chemischen Industrie aktuell Auftragseinbußen hinnehmen muss. Und er legt sich fest: „Rohstoffe bleiben teuer, besonders Erdöl.“ War 2011 für viele Unternehmen sehr erfolgreich, erwartet Hettche für 2012 unterm Strich nun „weit niedrigere Gewinne“.

Und dass es 2013 nach der Wachstumspause wirklich wieder kräftig aufwärts geht, ist keineswegs gewiss. So verweist das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut in einer aktuellen Studie auf die Unsicherheit in Zusammenhang mit der Euro-Schuldenkrise. Und auf den Atomkonflikt des Westens mit dem Iran, der auch ein großes Risiko für den Ölpreis darstellt.

Zudem kühlt sich in China der Aufschwung ab: Regierungschef Wen Jiabao bereitet sein Volk auf schwierigere Zeiten vor.

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