Gesundheitsfonds

Noch mehr für die Krankenkasse


Teures Gut: Das deutsche Gesundheitssystem verschlingt immer mehr Geld. Foto: Caro

Bald gilt ein einheitlicher Beitragssatz für alle – aber manche erhalten Geld zurück

Berlin. „Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung mindestens stabil halten und möglichst senken“: So hatte sich das die Regierung 2005 im Koalitionsvertrag vorgenommen. Die Praxis sieht aber anders aus: Millionen Arbeitnehmer und ihre Betriebe müssen bald einen neuen Beitragsschock verkraften.

Was ändert sich wann?

Ab 1. Januar 2009 gilt erstmals für alle der gleiche Beitragssatz. Wohlgemerkt: Nicht der Euro-Betrag ist gleich, sondern der Prozentsatz vom Bruttolohn.

Warum denn das?

Die Finanzierung der Kassen wird umgekrempelt. Alle Einnahmen fließen in einen neuen Topf, den „Gesundheitsfonds“. Aus dem werden dann alle Ausgaben bestritten.

Wie hoch ist der neue Beitragssatz?

Das wird erst im Herbst festgelegt. Nach einer oft zitierten Prognose des Münchner Instituts für Gesundheitsökonomik dürften etwa 15,5 Prozent „bedarfsnotwendig“ sein. 

Ist das mehr als jetzt?

Das hängt von der Krankenkasse ab. Der durchschnittliche Satz liegt aber aktuell bei nur 14,9 Prozent. Und viele Kassen sind noch deutlich günstiger: Wer zum Beispiel in der Audi-Betriebskrankenkasse ist und 3.000 Euro brutto verdient, müsste pro Monat 22,50 Euro mehr berappen als heute, wenn der neue Einheitssatz tatsächlich 15,5 Prozent beträgt.

Wieso der hohe Satz?

Die Einführung des Fonds führt deutlich vor Augen, dass das Gesundheitssystem immer mehr Geld verschlingt. Das liegt nun aber nicht etwa am Fonds selbst, sondern an den munter steigenden Ausgaben für Arzt-Honorare, Arzneimittel und Krankenhäuser. Eine Hilfe ist der neue Topf da auch nicht: „Der Gesundheitsfonds leistet keinen Beitrag zur Lösung der dringenden Finanzierungsprobleme“, kritisiert der Chef des Sachverständigenrates für das Gesundheitswesen, Professor Eberhard Wille.

Was meint die Wirtschaft dazu?

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände fordert mehr Sparsamkeit – und damit mehr netto: „Der einheitliche Beitragssatz ist so niedrig wie möglich anzusetzen. Ziel muss sein, die Personalzusatzkosten zu begrenzen.“ Es gehe nicht darum, bei allen Kassen den „Zusatzbeitrag“ zu vermeiden.

„Zusatzbeitrag“?

Das gesammelte Geld wird nach sehr kniffligen Regeln auf die Kassen verteilt. Gibt eine Kasse mehr aus, als ihr aus dem Fonds zusteht, müssen ihre Mitglieder noch einen Zu-schlag abdrücken: „Maximal 1 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens“, so das Gesundheitsministerium. Bei 3.000 Euro brutto würden also weitere 30 Euro fällig.

Lohnt sich also auch künftig ein Wechsel?

Auf jeden Fall. Besonders gut wirtschaftende Kassen können nämlich ihren Mitgliedern besondere Leistungen bieten – oder sogar Geld zurückgeben. „Wir planen, unseren Mitgliedern eine Prämie auszuzahlen“, kündigt etwa IKK-Direkt-Chef Ralf Hermes an.

Info: Belastung 2009

Wie sich Ihr ganz persönlicher Beitrag im Januar 2009 ändert, erfahren Sie gratis im Internet. Der „Gesundheitsfonds-Rechner“ nimmt dabei einen einheitlichen Beitragssatz von 15,5 Prozent an.

www.der-gesundheitsfonds.de

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