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Zu wenig Nachschub

Niedrigwasser im Rhein stellt Unternehmen vor Versorgungs- und Lieferprobleme

Die Pegel am Rhein meldeten dieses Jahr neue Tiefststände. Das Niedrigwasser belastet Verbraucher und Firmen. Der Chemiekonzern BASF ächzt wegen mangelnder Rohstoffe. Und Autofahrer müssen mehr für den Sprit zahlen.

Frachtschiff bei Kaub: Vielerorts wurden historische Tiefststände gemessen. Foto: dpa

Frachtschiff bei Kaub: Vielerorts wurden historische Tiefststände gemessen. Foto: dpa

Köln. So viel Sandbank war lange nicht um die Burg Pfalzgrafenstein bei Kaub: Nur noch 1,44 Meter tief ist der Rhein dort in der dritten Novemberwoche. Im langjährigen Schnitt sind es 3,25 Meter! Seit Monaten ist Niedrigwasser im Strom. Container-, Fracht- und Tankschiffe fahren nur mit einem Drittel, Viertel oder Fünftel der Last. Auf Europas wichtigster Wasserstraße stockt der Transport.

Und das hat deutliche Folgen für Wirtschaft und Verbraucher. Letztes Jahr transportierten Schiffe auf dem Rhein 188 Millionen Tonnen Fracht – Rohöl, Sprit, Chemieprodukte, Metallerzeugnisse, Nahrungsmittel und so weiter. 2018 wird es deutlich weniger sein.

Es gelangt nicht genug Treibstoff zu den Zwischenlagern

Aktuell bekommen das Autofahrer zu spüren. Obwohl Rohöl wieder billiger geworden ist, ist Sprit aktuell sehr teuer. 1,53 Euro kostet der Liter Super E 10 Ende November im Schnitt an den Zapfsäulen, so der ADAC. Auch Heizöl wurde teurer. Was knapp ist, kostet eben mehr.

Was vielen nicht klar ist: Die Tankschiffe können wegen des Niedrigwassers nicht genug Treibstoff und Heizöl von den Raffinerien zu den Zwischenlagern bringen. Das betrifft etwa Deutschlands größte Raffinerie, die MiRO in Karlsruhe, und die Shell-Anlage im rheinischen Wesseling.

Kraftwerk in Hamm wird an Wochenenden gedrosselt

Der Nachschub bleibt aus – das trifft auch Unternehmen. So erhält der Energiekonzern RWE nicht mehr genug Steinkohle für sein Kraftwerk in Hamm. „Das wird deshalb zum Beispiel an Wochenenden gedrosselt“, teilt ein Konzernsprecher mit. Thyssenkrupp musste zeitweise die Produktion im Duisburger Stahlwerk zurückfahren: Es fehlten Rohstoffe.

Besonders hart traf es den Chemiekonzern BASF. Am Stammsitz in Ludwigshafen sind die Steamcracker zur Produktion von Grundstoffen nur zu 60 Prozent ausgelastet. Auch andere Anlagen produzieren weniger. Dabei tun die Logistikexperten, was sie können, um Transporte zu verlagern. Will man aber ein Schiff ersetzen, braucht man 80 Bahnwaggons oder 160 Lkws, so Werkleiter Uwe Liebelt. Und beide Ersatzlösungen machen den Transport deutlich teurer. Die Produktionsausfälle und die Mehrkosten beim Transport bescherten dem Konzern schon im dritten Quartal Einbußen von 50 Millionen Euro.

Trockenheit zeigt: Eine Vertiefung des Mittelrheins wäre wichtig

Auch die Schiffer leiden, so Torsten Stuntz, Vorsitzender des Bundesverbands der selbstständigen Binnenschiffer: „Das wird das schlechteste Jahr seit Langem für die Branche.“

Die extreme Trockenheit im Jahr 2018 macht auch deutlich, wie wichtig die Vertiefung des Mittelrheins ist. Im Bundesverkehrswegeplan 2030 ist dieses Vorhaben als „vordringlich“ eingestuft. Kostenpunkt: rund 60 Millionen Euro. Das sollte eigentlich nicht zu viel sein für eine Wasserstraße, auf der jährlich 50.000 Güterschiffe fahren.


Mehr zum Thema:

Der neue Bundesverkehrswegeplan (BVWP) wurde im August 2016 vom Bundeskabinett beschlossen. Fast 270 Milliarden Euro ist er schwer – Rekord! Die 30 aufwendigsten Vorhaben für Straße, Schiene und Wasserwege erfahren Sie hier.

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