Infrastruktur

Niederbayern: Ländlich und erfolgreich


Dingolfing/Landshut/Ortenburg. Wohlstand, Wachstum, Wirtschaftskraft: Wer über den Erfolg Bayerns redet, spricht oft von München. Dabei herrscht die geringste Arbeitslosigkeit auf dem Land. Im dünn besiedelten Niederbayern lag die Quote im Oktober 2013 bei nur 2,9 Prozent. Das ist spitze unter den sieben bayerischen Regierungsbezirken.

90 Prozent leben im ländlichen Raum

Es gibt nur drei Städte mit mehr als 40.000 Einwohnern: Landshut, Passau und Straubing. Fast 90 Prozent der knapp 1,2 Millionen Niederbayern leben im sogenannten ländlichen Raum. Firmen sind aber auch dort wettbewerbsfähig und schaffen Arbeitsplätze – wenn die Anbindung an Verkehrs- und Kommunikationswege stimmt.

Die meisten Betriebe fordern deshalb – stärker noch als in anderen Regionen des Freistaats – den Ausbau von Straßen und schnellem Breitband-Internet. So steht es in der Analyse „Standort Bayern: Unternehmerperspektiven“ im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft.

Dass Infrastruktur die Basis für ökonomischen Erfolg ist, zeigt der BMW-Standort Dingolfing, das wirtschaftliche Herz Niederbayerns. Das Werk wurde vor 40 Jahren gegründet und seitdem kontinuierlich erweitert. Heute arbeiten dort, gut erreichbar an der Autobahn, rund 18.500 Menschen. „Es wäre undenkbar, den ganzen Verkehr über Bundesstraßen abzuwickeln“, sagt Heinrich Trapp, Landrat des Kreises Dingolfing-Landau.

Die Löhne der Mitarbeiter von BMW und weiteren Zulieferern, die vom Werk erheblich profitieren, garantieren den Wohlstand eines ganzen Landstrichs. „Unsere Kaufkraft ist für eine ländliche Region außergewöhnlich“, sagt Trapp. Sie sichere auch das Einkommen vieler Handwerker, Händler und Dienstleister.

Darüber hinaus erreicht das Geld über die Autobahn die hintersten Winkel Niederbayerns. Mehr als die Hälfte der BMW-Belegschaft kommt mit Pendelbussen zur Arbeit. Das Netz mit rund 2.500 Haltestellen reicht 130 Kilometer weit bis zur tschechischen Grenze.

Fernwartung und Reparaturen: Vieles läuft mittlerweile online und frisst riesige Datenmengen

Eine gute Verkehrsanbindung ist viel wert – das findet auch Stefan Brandl, Geschäftsführer des Ventilatorenherstellers ebm-papst in Landshut. „Wenn wir besser zu erreichen sind, sind wir auch interessanter für Fachkräfte“, sagt er. „Das stärkt unseren Standort und sichert Arbeitsplätze.“

Brandl setzt sich deshalb für den Bau der autobahnähnlichen Bundesstraße 15n ein. Sie wird bald Regensburg mit Landshut verbinden und soll später weiter bis Rosenheim führen. Dieser Abschnitt steckt aber noch in der Planung.

„Wir sind für einen zügigen Ausbau, da die Lkws in Richtung Süden dann nicht mehr über die Landstraße und durch die Orte müssen“, sagt der Geschäftsführer. Seine Firma hat gerade 13 Millionen Euro in ein neues Logistikzentrum gesteckt.

Für den Maschinenbauer R. Scheuchl in Ortenburg nahe Passau sind Datenautobahnen besonders wichtig. „Ohne leistungsstarke Internet-Verbindung ist man abgehängt“, sagt Rainer Paulik, IT-Leiter der Firma. Fernwartung, Reparaturen, Beratung, Datenaustausch: Vieles läuft heute online und frisst riesige Datenmengen.

Bevor Scheuchl vor drei Jahren seinen DSL-Zugang fürs schnellere Internet bekam, war das unmöglich. „Wir dürfen uns jetzt aber nicht zurücklehnen“, warnt Paulik. Beim Ausbau des noch viel schnelleren Glasfasernetzes dürfe der ländliche Raum nicht vergessen werden. „Die Anforderungen nehmen schließlich immer weiter zu“, sagt der IT-Experte.

Interview

Foto: RvN
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„BWM war ein Glücksfall“

Der Regierungspräsident von Niederbayern, Heinz Grunwald, erklärt den Aufstieg der Region – und was passieren muss, damit sie ­erfolgreich bleibt.

Vom „Armenhaus“ zur Wohlstandsregion – wie hat Niederbayern das gemacht?
Die Ansiedlung von BMW vor 40 Jahren war ein Glücksfall. Aber es wurden auch richtige Infrastruktur-Entscheidungen getroffen. Deren Bedeutung kann man nicht überschätzen.

Woran denken Sie?
Vor allem an den Bau der A 3 und A 92. Wo Straßen fehlen, kommen keine Unternehmen. Aber auch die Eröffnungen der Hochschulen in Passau, Landshut und Deggendorf waren zentral. Dort bilden wir die Fachkräfte aus, die unsere Firmen brauchen.

Welche Weichenstellungen stehen für Niederbayern heute an?
Wir brauchen die A 94 von München nach Passau. Strategisch noch wichtiger ist jedoch die Versorgung mit Breitband-Internet. In einem abgehängten „Tal der Ahnungslosen“ will kaum jemand leben – und kann niemand arbeiten.

Fürchten Sie in der Zukunft Landflucht?
Schon heute ziehen in einigen Kreisen gerade die jungen Menschen weg. Da müssen wir gegensteuern.

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